Grün auf!

Der stählerne Pulsschlag bestimmte lange die Herzfrequenz der Metropole Ruhr. Heute sind 58 Prozent der Flächen gut durchgrünt – mit Wäldern, Feldern und blühenden Brachen. Der Weg zur grünen Metropole führt von Dekadenprojekten wie IBA Emscher Park und Emscher-Renaturierung bis zur „Grünen Hauptstadt Europas“ und gipfelt in der IGA 2027.

Neues Leben auf alten Industriebrachen

Segelboote ziehen vorbei, am Ufer drehen Radlerinnen und Radler ihre Runden, daneben erheben sich Bürogebäude, Reihen- und Mehrfamilienhäuser – rund um den Dortmunder Phoenix-See existiert ein Mikrokosmos aus Wohnen, Arbeit und Freizeit. Erbaut auf der Brache des ehemaligen Stahlwerks Phoenix, bildet der See heute mit angrenzendem Technologiepark Phoenix West einen der größten Innovationsstandorte Deutschlands – ein Vorzeigequartier.

Redevelopment: Bauen im Bestand

Der Phoenix-See als eines der ambitioniertesten Strukturwandelprojekte zeigt, wie ehemalige Industrieflächen mit ihren Hochöfen, Fördertürmen und Fabriken aufgewertet werden. Die stillgelegten Flächen bilden Reserven für Technologieparks, Wohnquartiere und Logistikzentren. Das Motto des Redevelopments: Sanierung, Umgestaltung und Neuentwicklung statt Abriss und Neubau.

„MARK 51°7“: Wärme und Kälte aus der Grube

Dafür steht zum Beispiel der Gewerbe- und Industriestandort „MARK 51°7“ auf der Fläche des ehemaligen Bochumer Opel-Werks 1. Die Stadt plant, große Teile in einen Park mit mehr als 500 Bäumen zu verwandeln. Mit dem Geothermiezentrum der Hochschule Bochum wollen die Stadtwerke den Wärme- und Kältebedarf bis zu 75 Prozent mit Grubenwasser decken – deutschlandweit bislang einzigartig.

Essens 51. Stadtteil: Rad statt Auto

In die Zukunft weist auch das Stadtquartier „Essen 51“ auf dem ehemaligen Krupp-Stahlwerk-Gelände. Die Nutzungsmischung: Wohnen und Arbeiten mit Erholungsflächen, Nahversorgung und Gastronomie. Das Herz bilden Grünflächen mit offenem Wasserlauf, der mit den grünen Stadträumen und Wasserlandschaften der Umgebung vernetzt ist. Nahverkehr, Radfahren und Zufußgehen statt Individualverkehr mit dem eigenen Auto, so lautet das Motto. Auch Vertical Farming und Urban Gardening sollen Teil des Essen-51-Lebensraums werden.

Schritt für Schritt Richtung Modellregion für grüne Infrastruktur

Erste Veränderungsakzente zur neuen Stadt- und Freiraumplanung setzte schon 1989 die Internationale Bauausstellung Emscher Park. Das damalige Programm hatte zum Ziel, die unterschiedlichen Konzepte der Wirtschaftsförderung, insbesondere den Wohnungsbau und die Ansiedlung von Technologiezentren, unter die Prämissen des Denkmalschutzes, ästhetischer Gesichtspunkte und einer besseren Lebensqualität zu stellen. Der Plan dazu war, innerhalb von zehn Jahren die Grünflächen auszubauen und 350 Kilometer offene Abwasserläufe umzugestalten.

Die „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ ging den nächsten Schritt Richtung Modellregion für nachhaltige Infrastruktur. Sie wurde vom Bottroper Pilotprojekt InnovationCity Ruhr begleitet. Dabei soll weltweit erstmals ein industriell geprägtes Stadtquartier umfassend energetisch saniert werden – von der Gebäudesanierung bis hin zur CO2-neutralen Tankstelle.

Von Emscher-Umbau bis IGA 2027

Bis 2020 baut die Emschergenossenschaft die Emscher auf rund 340 Kilometern in ein naturnahes Gewässer um – eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Parallel entsteht ein 100 Quadratkilometer großes Erholungsgebiet mit 200 neuen Radwanderwegen, während ein weiteres Projekt, der Radschnellweg RS1, auf 101 Kilometern die Städte zwischen Duisburg und Hamm verbinden wird.

Die Entwicklung der Metropole Ruhr zu mehr Lebensqualität gipfelt in der Internationalen Gartenausstellung 2027. Unter dem Motto „Wie wollen wir morgen leben?“ präsentiert sie Modellprojekte für zukunftsfähige Stadt- und Freiraumplanung, digitale Vernetzung sowie Mobilitäts- und Umwelttechnologien.

Nah und gut versorgt

In dem größten Ballungsraum Deutschlands sind es die Menschen, die grüne Innovationsprozesse mit ihrer Arbeit und ihren Ideen vorantreiben – inmitten des engmaschigsten Straßennetzes, größten Eisenbahnkomplexes und dichtesten Kanal- und Hafensystems des Kontinents. In der Metropole der kurzen Wege trennen die Menschen von Kita, Schule, Arzt oder Supermarkt oft nur wenige hundert Meter.

Taucht man in Kieze und Quartiere ein, entdeckt man die grüne Infrastruktur auch im Kleinen: Umweltinitiativen, Kleingartenvereine, Mitmachgärten, Naturschutzinitiativen, Schulen und Kitas setzen sich für regionale und saisonale Versorgung ein.

Während andere Metropolen an Umwelt- und Infrastrukturproblemen zu ersticken drohen, hat die Metropole Ruhr einen beeindruckenden Strukturwandel gemeistert und punktet mit ihrer Anpassungsfähigkeit – und mit überzeugenden Standortvorteilen: innovative Stadt- und Freiraumplanung mit Landschaftsparks, Halden sowie Gärten. Und die Lebensqualität? Hoch!

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