Redevelopment als Expansionsmodell

Sanierung von Immobilien und Flächen in der Metropole Ruhr belebt die Innenstädte und schafft Arbeitsplätze.

Ausgediente Gewerbeimmobilien, Produktionsstätten und Industriebrachen hat die Metropole Ruhr sehr viele. Sie zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen, damit haben Projektentwickler vor Ort viel Erfahrung. Denn die Stadt der Städte mit ihren 5 Millionen Einwohnern und 155.000 Unternehmen braucht Platz. So liegt es also nahe, brachliegende Grundstücke und leere Gebäude zu sanieren, zu renovieren und zu restaurieren, um sie für Handel, Gewerbe, Logistik und Wohnen nutzbar zu machen.

Dieses sogenannte Redevelopment ist eine reizvolle Spielwiese für Investoren. Ralf Kruse etwa, geschäftsführender Gesellschafter der ImmoRaising Capital Partners GmbH, ist Experte auf diesem Gebiet. „Das Ruhrgebiet wird immer noch unterschätzt. Obwohl wir die größte Stadt Deutschlands sind, werden in unserer Region im Immobiliengeschäft nicht die Preise aufgerufen, die in anderen Metropolregionen wie München oder Berlin an der Tagesordnung sind“, so Kruse.

Beispiele für gelungene Sanierungen und Umnutzungen gibt es in der Region zuhauf: Das Gelände eines ehemaligen Stahlwerks in Dortmund etwa nutzt inzwischen der Sportartikelhändler Decathlon zur Expansion. In seinem neuen Logistikzentrum gehen bald 700 Angestellte ihrer Tätigkeit nach, 26 Millionen Euro hat das Unternehmen in den Standort investiert.

Auch auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Bochum sollen schon Ende 2019 wieder 1.500 Menschen arbeiten. „Mark 51°7“ heißt das 68 Hektar große Gelände nun, auf dem lange vor Opel-Zeiten, im 18. Jahrhundert, schon Bergbau betrieben wurde. Nun siedeln sich hier Unternehmen an, die an einer vernetzten und flexiblen Industrie-, Forschungs- und Ausbildungskultur interessiert sind.

Ein Beispiel für gelungene kulturelle Umnutzung ist das Colosseum-Theater in Essen: Früher eine riesige Werkshalle von Krupp – heute eines der beliebtesten Theater in der Stadt der Städte. Ebenfalls in Essen wurde die ehemalige Konzernzentrale von Ruhrgas saniert und neu vermarktet. Im heutigen „Ruhrturm“ sind ein Hotel, Abteilungen eines Handelsunternehmens und ein großer Kongressbereich untergebracht.

Investitionen von 80 Millionen Euro bringen Bottrop neue Chancen

„Aus Alt mach Neu“ lautet auch der Auftrag zur Sanierung eines in die Jahre gekommenen Einkaufszentrums in Bottrops Innenstadt. Lange stand es leer, nun soll das Gebäude zu neuem Leben erweckt werden. Hier hat sich ImmoRaising Capital Partners mit der Cosimo Investment Group zusammengeschlossen, die sich auf die Entwicklung von innerstädtischen Wohn- und Gewerbeobjekten spezialisiert hat. Zusammen sind sie für die Wiedereröffnung des Hansa Centers verantwortlich und gehen von einer Gesamtinvestition in Höhe von rund 80 Millionen Euro aus. Kruse prognostiziert eine Wiederbelebung der kompletten Innenstadt durch dieses Projekt. „Bottrop hat lange Leerlauf gehabt in Sachen City-Shopping und wartet darauf, dass in diesem Segment endlich etwas Aufregendes passiert. Das neue Hansa Center wird das Herzstück der Stadt bilden. Und durch seine zentrale Lage wird es die Innenstadt zu einem Kern verbinden. Das ist fast einmalig“, zeigt sich Kruse begeistert.

Investoren schaffen eine Kultur des Redevelopments

„In nachhaltigem und ressourcenschonendem Bauen im Bestand liegt die Zukunft“, ist auch Timm Sassen überzeugt, Geschäftsführer der Essener Greyfield Holding GmbH. Sein Unternehmen hat sich auf die Sanierung, Umgestaltung und Neuentwicklung von Immobilien und Flächen spezialisiert. Oft sei Redevelopment viel nachhaltiger und energetisch sinnvoller als der Abriss und Neubau von Immobilien. Zum Beispiel hat Sassen die Hallen eines ehemaligen Baumarkts in Gelsenkirchen in ein Fitnessstudio verwandelt und gleich noch einen Lagerlogistik-Betrieb auf dem Gelände untergebracht. „Redevelopment bietet vor allem in der Metropole Ruhr große Chancen. Denn angesichts des bestehenden Mangels an unbebauten Grundstücken eröffnet es völlig neue Möglichkeiten zur Expansion“, fasst Sassen zusammen.