Eine Brücke zwischen Deutschland und China

Ein europäisch-chinesisches Handels- und Innovationszentrum unterstreicht Duisburgs hervorragende Lage am Ende der neuen Seidenstraße.

Ein Stern, der für Ost und West sichtbar über dem Meer steht, das ist die Vision von Yaomin Wang, der Geschäftsführerin der in Duisburg ansässigen Starhai-Gruppe. Den Namen ihres Unternehmens hat sie mit Bedacht gewählt: „Hai“ ist das chinesische Wort für Meer. Das englische „Star“ steht für den Stern, der die Richtung weist und Asien mit Europa verbindet.

Was als kleine deutsch-chinesische Handelsagentur begann, ist in nur sechs Jahren zum internationalen Ideengeber und Projektentwickler geworden: Denn Starhai steht hinter dem China Trade Center Europe, das im Duisburger Westen auf einem neun Fußballfelder großen Areal entsteht. Mitte 2019 soll der erste Spatenstich für das 260-Millionen-Euro-Projekt im Businesspark Niederrhein gesetzt werden. In dem europäisch-chinesischen Zentrum werden 200 vorrangig chinesische Mittelständler erwartet, die bis zu 2.000 Arbeitsplätze schaffen könnten. Vertretungen chinesischer Hochschulen, Forschungszentren, Dienstleister aller Branchen, Angebote für Start-ups, ein großes Hotel, umrahmt von chinesisch inspirierten Gärten, sollen im linksrheinischen Duisburg, am Ende der neuen Seidenstraße, entstehen.

Über die neue Seidenstraße transportieren wöchentlich bis zu 35 Züge aus China Waren nach Duisburg. Für die über 11.000 Kilometer benötigen sie zwölf Tage.

Die 38-jährige Yaomin Wang aus der nordchinesischen Kohleprovinz Shanxi lebt seit 2006 am Niederrhein. Nach dem BWL- und Sprachstudium in China kam sie zum Logistik-Masterstudium in die Stadt an Rhein und Ruhr. Nach dem Abschluss heuerte die polyglotte Frau bei einem deutschen Unternehmen an, für das sie Niederlassungen in China gründete. „Die Arbeit machte mir Spaß, doch als immer mehr chinesische Kunden mich nach den Chancen in Deutschland fragten, merkte ich schnell, dass ich selbst unternehmerisch tätig sein wollte“, erinnert sich Yaomin Wang und gründete 2013 Starhai als Handelsvertretung in Duisburg. In China war die Stadt damals so gut wie unbekannt.

Besuch des Staatspräsidenten hat Duisburg in China bekannt gemacht

Das änderte sich schlagartig mit dem Besuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping 2014 im Duisburger Hafen. In seiner Vision der neuen Seidenstraße spielt der größte Binnenhafen Europas eine geostrategisch überragende Rolle. Die „Belt and Road Initiative“, die alte Handelsrouten wiederbelebt, ihnen neue Strecken hinzufügt und sie mit dem Reich der Mitte verbindet, ist das größte Infrastruktur- und Logistikprojekt des 21. Jahrhunderts. „Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben von Xis Besuch profitiert“, resümiert Yaomin Wang. „Diese magische Idee der neuen Seidenstraße, die den Anrainerstaaten wirtschaftlichen Aufschwung bringt und Duisburg eine wichtige Rolle verleiht, hat die Stadt in China bekannt gemacht.“ Auf vielen chinesischen Europakarten ist Duisburg mittlerweile als einzige deutsche Stadt eingezeichnet.

Von der Dynamik der Seidenstraße-Vision wurde auch Starhai mitgerissen. 2014 gründete Yaomin Wang mit Starhai International ein zweites Unternehmen, zunächst als Immobilienvermittlung und Beratung für chinesische Investoren. Sie begleitete Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link nach China. Eine gemeinsame Pressekonferenz in Peking verlieh dem China Trade Center Europe weiteren Aufschwung: Think-Tanks, Hochschulen und Investoren brachten ihre Ideen ein. So wurde aus dem als Handelszentrum begonnenen Projekt eine Drehscheibe für europäisch-chinesisches Geschäft mit Innovations- und Technologieplattformen und den Schwerpunkten Logistik, Hightech und Medizintechnik.

Diese magische Idee der neuen Seidenstraße, die den Anrainerstaaten wirtschaftlichen Aufschwung bringt und Duisburg eine wichtige Rolle verleiht, hat die Stadt in China bekannt gemacht.

Yaomin Wang, Geschäftsführerin der Firma Starhai GmbH und Starhai International GmbH

China Trade Center hat Strahlwirkung auf ganz Europa

„Deutschland ist ein Schlüsselmarkt für China“, erklärt Yaomin Wang die Entwicklung. „Das China Trade Center Europe ist das größte Projekt seiner Art in Europa und hat Strahlwirkung auf den ganzen Kontinent.“ Auf dem Duisburger Gelände sollen chinesische und europäische Unternehmer Vertriebs- und Marketing-Unterstützung erhalten, chinesische Hochschulen könnten ihren Offshore-Campus in den Businesspark verlegen. Dort könnten deutsche Professoren sowohl chinesische Studierende als auch europäische Mitarbeiter chinesischer Unternehmen schulen.

Doch noch herrscht gähnende Leere auf dem 60.000 Quadratmeter großen Duisburger Areal. Wenn wie geplant ab Mitte 2019 gebaut werde, könnten die ersten Mieter schon ein Jahr später einziehen, meint Yaomin Wang. Bis dahin ist noch viel zu tun, weiß die zweifache Mutter, die nebenher an ihrer Promotion an der Universität Duisburg-Essen schreibt.

Die vergangenen Jahre haben sie gelehrt, mutig zu sein und groß zu denken. Und so sagt die 38-Jährige am Ende des Interviews einen bemerkenswerten Satz: Für deutsche Verhältnisse sei das 260 Millionen Euro umfassende Projekt sehr groß. Doch das relativiere sich, wenn man es mit Projekten in China vergleiche. „Wir werden eine Brücke zwischen Deutschland und China sein“, sagt die Starhai-Geschäftsführerin. „Wenn deutsche Unternehmen sich künftig mit China beschäftigen, werden sie sofort an uns denken.“