Es sprudelt in der Metropole Ruhr

Nachhaltige Wassergewinnung bei Stiftsquelle


„Lecker. Erfrischend. Neutral.“ – So schmeckt Mineralwasser aus den Tiefen der Metropole Ruhr, findet Sebastian Brodmann, Geschäftsführer des Familienunternehmens Stiftsquelle aus Dorsten.

Am Unternehmensstandort im Industriepark haben wir uns bei hitzigen 35 Grad mit dem 32-Jährigen auf ein Glas kaltes Mineralwasser verabredet. Neben dem Neubaugebäude stapeln sich blaue Leergutkästen. Ein E-Auto glänzt davor im Sonnenschein. Und auf dem Gebäude speichern Solaranlagen die Energie. Wir entfliehen der Hitze ins klimatisierte Gebäude. Dort erscheint Sebastian Brodmann gut gelaunt zum Gespräch.

Der Unternehmensstandort Dorsten befindet sich mitten in einer von Industrie geprägten Region. Probebohrungen stellten fest: Das Wasser hat Spitzenqualität. Wie passt das zusammen?

Brodmann: Das Umfeld ist nicht unbedingt ausschlaggebend für die Qualität. Mineralwasser muss verschiedene Deck- und Abtrennschichten haben, die Verschmutzungen vom Mineralwasser fernhalten, und da zählen die Tiefe und auch die Struktur des Erdvorkommens. Beides ist hier sehr gut. Vermutlich ist das Mineralwasser hier mehr als 800 Jahre alt – es ist damals als Regen runtergekommen – heute speisen wir aus diesem Wasser unsere Stiftsquelle.

Besonders in der Produktion spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Was bedeutet für Ihr Unternehmen ein umweltfreundlicher Herstellungsprozess?

Brodmann: Wir haben Mitte 2016 unser eigenes Biomineralwasser, die Landpark Bioquelle, auf den Markt gebracht. Damit waren wir die Ersten in NRW. Bio bedeutet grundsätzlich Umweltschutz, hohe Produktqualität und die Einhaltung sozialer Standards. Als Beispiele nenne ich gerne die Fördermengen. So fördern wie nur 80 Prozent der genehmigten Menge, um das Grundwasser zu schonen. Mit unserer PV-Anlage auf dem Dach schaffen wir es jährlich, ein Drittel unseres Strombedarfs durch Sonnenenergie zu decken. Den Reststrom beziehen wir aus erneuerbaren Energien. Unsere Produktion ist somit komplett klimaneutral. Mit dem Biomineralwasser haben wir uns verpflichtet, die Ressource Wasser nicht nur für uns, sondern auch für nächste Generationen zu schützen. Zusätzlich haben wir uns eigene Verpflichtungen auferlegt: Unser LKW-Fuhrpark für Auslieferungen wurde freiwillig auf 82 km/h gedrosselt. So sparen wir Sprit und reduzieren die Umweltemission. Um noch ökologischer zu werden, sind wir dabei, unsere PKWs auf Elektro umzurüsten. Außerdem erfolgt der Großteil unserer Abfüllung in Mehrwegflaschen. Diese können bis zu 50-mal wiederverwendet werden.

Sie führen das Unternehmen mit Ihrem Vater in fünfter Generation. War das schon immer Ihr Traumberuf? Wie sind Sie ins Geschäft eingestiegen?

Brodmann: Als Kind habe ich davon geträumt, Musiker zu werden – ich wollte als Schlagzeuger Karriere machen. Mir war aber klar, dass das nicht von Erfolg geprägt sein wird und auch nicht langfristig ist. Schon als Jugendlicher habe ich in den Ferien im Familienunternehmen gejobbt, konnte Produktionsabläufe und Mitarbeiter kennen lernen. Der Weg ins elterliche Unternehmen war für mich von da an klar. Ich schätze das Persönliche des Familienunternehmens, hier stehen immer alle Türen offen. Wir unterstützen uns gegenseitig und nehmen individuelle Schicksale ernst.

Warum haben Sie Dorsten als Standort gewählt?

Brodmann: Unser Standort war zuvor Essen – mitten in einem Wohngebiet. Es war fraglich, ob das für die Zukunft noch zielführend gewesen wäre. Zumal wir sehr gute Wachstumsprognosen hatten. Wir sind mittlerweile ein Team aus 105 Mitarbeitern. Also haben wir uns auf die Suche nach weiteren Wasserquellen gemacht. Das Resultat aus 13 Probebohrungen im Ruhrgebiet hat ergeben, in Dorsten passt alles: Grundstück, Wasser, Qualität und Quantität.

Ich schätze das Persönliche des Familienunternehmens, hier stehen immer alle Türen offen. Wir unterstützen uns gegenseitig und nehmen individuelle Schicksale ernst.

Sebastian Brodmann, Geschäftsführer Stiftsquelle

Kam auch ein Standort außerhalb des Ruhrgebiets in Frage?

Brodmann: Nein. Für uns war wichtig, dass wir alle Mitarbeiter zum neuen Standort mitnehmen. Das haben wir auch geschafft. Die Erreichbarkeit musste also von Essen aus gegeben sein. Wir fühlen uns unserer Region und Heimat verbunden. Daher war es für uns unvorstellbar, aus dem Ruhrgebiet wegzuziehen. 

Welche Standortvorteile ergeben sich hier?

Brodmann: Es ist ja so, wir entnehmen der Natur ein Produkt, denn Mineralwasser ist ein klassisches Naturprodukt. Von daher ist auch unsere moralische Verpflichtung der Natur gegenüber sehr groß. Wir möchten Mineralwasser nicht, wie es andere tun, durch ganz Deutschland fahren – unser Anspruch ist es, die Ware innerhalb des Ruhrgebiets zu distribuieren und nicht darüber hinaus. Das ist ökologisch sinnvoll. Und das ist in dieser Region mit ihrer hohen Dichte möglich. Ein großer Vorteil. Von daher arbeiten wir sehr gerne hier.