Unsere Ressource: Innovation

Innovation durch Vernetzung

Von Robotik und Drohnen über Smart Home und Smart City bis zu künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen – bei wichtigen Zukunftstechnologien ist die Metropole Ruhr hervorragend aufgestellt. Rund 5.000 aktuelle Patente aus der Spitzenforschung zeugen von der geballten Innovationskraft der Region. Eine wichtige Kraft zu dieser Innovation entspringt aus der Vernetzung kleiner und großer Unternehmen, der Hochschulforschung mit der Industrie in zahllosen Netzwerken.

Der kleine Hector soll selbständiger werden. Deshalb kommt er bald nach Dortmund ins Trainingslager. Zwischen stillgelegten Hochöfen und ehemaligen Schlackenhalden wird er lernen, sich allein im unwegsamen Gelände zurechtzufinden, Gefahrenquellen zu identifizieren, Verletzte zu orten und ganz ohne fremde Hilfe alle möglichen Hindernisse zu überwinden. Eine Aufgabe, die von seinem interdisziplinären Trainerteam Kooperation und Innovationskraft fordert: Denn Hector ist kein Mensch, sondern ein teilautonomer Inspektions- und Rettungsroboter. Entwickelt haben ihn Wissenschaftler der TU Darmstadt, lernen wird er künftig am Deutschen Rettungsrobotikzentrum DRZ in Dortmund.

 

Autonome Roboter von der Ruhr

Das neue Forschungszentrum schafft eine bundesweit einmalige Entwicklungsumgebung für autonome Roboter und Drohnen im Rettungseinsatz. Zum einen durch seinen außergewöhnlichen Standort: Das ehemalige Industrieareal Phönix-West eignet sich hervorragend als Versuchsgelände. Schwierige Einsatzbedingungen wie Feuer, Hochwasser, Trümmerfelder oder kontaminiertes Gebiet lassen sich hier besonders realistisch nachstellen. Zum anderem steht das DRZ für weitreichende Vernetzung: Eröffnet im Dezember 2018 wird es Wissenschaftler und Ingenieure aus Industrie, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit Anwendern wie der Feuerwehr zusammenbringen, um autonome Roboter für den zivilen Katastrophenschutz zu entwickeln. Für die sehen Experten weltweit steigenden Bedarf, nicht zuletzt weil Naturereignisse durch den Klimawandel immer extremer ausfallen.

Spitzenforschung für Zukunftsmärkte

Das DRZ ist eines von vielen eindrucksvollen Beispielen für die neue Innovationskraft in der Metropole Ruhr. Statt zurück zu Bergbau und Schwerindustrie wird der Blick hier inzwischen nach vorne gerichtet auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimaschutz, Ressourceneffizienz, saubere Energieversorgung und intelligente, umweltfreundliche Mobilität. In zahlreichen Exzellenzclustern, Hubs und Initiativen wird hochkarätig und über Branchen-, Unternehmens- und Hochschulgrenzen hinweg gemeinsam an Zukunftstechnologien geforscht, die Wachstum und Arbeitsplätze versprechen. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung gehört dazu auch das wichtige Thema IT-Sicherheit. Hier kann die Metropole Ruhr ihren Standortvorteil als vernetzte Wissensregion ebenfalls erfolgreich ausspielen.

Tief im Westen wird heute IT-Sicherheit gefördert

So ist im Umfeld der Ruhr Universität Bochum (RUB) ein deutschlandweit einzigartiges Ökosystem für Cyber-Sicherheit entstanden. Statt Bergbau ist heute IT-Sicherheit einer der örtlichen Forschungsschwerpunkte. Der Inkubator Cube 5 am Horst Görtz Institut für IT-Sicherheit der RUB hat bereits zahlreiche Start-ups auf dem Gebiet der Cyber-Security hervorgebracht. Auch das 2017 eröffnete Center for Advanced Internet Studies (CAIS), das zu unterschiedlichsten gesellschaftlichen Aspekten der Digitalisierung forscht, hat seinen Sitz „tief im Westen“, in der Heimatstadt von Herbert Grönemeyer. Dazu kommt künftig noch das geplante Max-Planck-Institut für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre, das in Bochum auf internationalem Spitzenniveau Grundlagenforschung zu Cybersicherheit, Kryptografie, IT-Systemsicherheit sowie zu rechtlichen, ökonomischen und sozialen Aspekten von Sicherheit und Privatsphäre leisten will.

Comeback mit Cutting-Edge-Technologien

Spitzenforschung und Ruhrgebiet – das schien lange Zeit nicht zusammenzupassen. Gemessen an den Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag die Region 2014 nach Berechnung des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen noch sichtbar hinter den deutschen Spitzenreitern Bayern (2,5 Prozent) und Baden-Württemberg (4 Prozent).

Betrachtet man allerdings anstelle des Inputs den Output, gemessen an der Zahl der Patente, dann schrumpft der Abstand zur Spitze ganz erheblich. Entscheidender Gradmesser für die Innovationskraft einer Region sei insbesondere die Zahl der Patente in wichtigen Zukunftstechnologien, heißt es in einem aktuellen Gutachten des Handelsblatt Research Instituts. Auf dieser methodischen Grundlage geht es im Ruhrgebiet ganz klar aufwärts. Von 2000 bis 2015 ist die Innovationskraft hier um mehr als 30 Prozent gestiegen. Fast jedes dritte regionale Patent, nämlich 5.000 von insgesamt 17.000, entfällt bereits auf sogenannte Cutting-Edge-Technologien, so ein zentrales Ergebnis der Handelsblatt-Studie. Das sind weitaus mehr als beispielsweise in der oft gerühmten Zukunftsregion Berlin-Brandenburg, die auf lediglich 1.500 Cutting-Edge-Patente kommt. Hintergrund: Das Schweizer Forschungsinstitut BakBasel und das Schweizer Patentamt haben für die Analyse 40 Zukunftstechnologien identifiziert. Zur technologischen Speerspitze (cutting edge) zählen neben Robotik und Drohnen beispielsweise Technologien aus dem Bereich künstliche Intelligenz, Smart Home und Smart City, FinTech und Industrial Internet.

Disruptiv zurück an die Spitze

Den definierten Zukunftstechnologien ist gemeinsam, dass sie disruptive Innovationen ermöglichen, also bestehende Produkte, Geschäftsmodelle oder Produktionsverfahren in kurzer Zeit vollständig ablösen können. Bekannte Beispiele liefern disruptive Unternehmen wie Netflix, Uber oder Airbnb, die in ihren Branchen vollkommen neue Wertschöpfungsketten geschaffen haben. Gerade für die Metropole Ruhr bergen Zukunftstechnologien die Chance, innovative Ideen und Konzepte ohne technologischen „Ballast“ besonders schnell zu adaptieren und weiterzuentwickeln. Sich ohne Rücksicht auf frühere Erfolgsmodelle innerhalb neuer Wertschöpfungsmodelle die Vorreiterrolle zu sichern, ist ein Effekt, der in den Wirtschaftswissenschaften auch als Leapfrogging (englisch für Bocksprung), also das Überspringen von Entwicklungsstufen, bezeichnet wird.

Gründergeist trifft Großkonzern

Doch nicht nur disruptive Start-ups, sondern auch traditionelle Konzerne treiben in der Metropole Ruhr das Thema Innovation energisch voran – im wahrsten Sinne des Wortes. So arbeiten die großen Energieversorger nicht nur an effizienteren Kraftwerken und klimafreundlicher Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen, sondern auch an smarten, digitalisierten Energienetzen, die eine sichere, effiziente und bezahlbare Energieversorgung gewährleisten.

Ein aktuelles Beispiel liefert Eon mit dem neuen Energiesystem Ectogrid, das die Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden intelligent verknüpft. Das digitalisierte Versorgungsnetz wird praktisch zur thermischen Batterie, Bewohner und Gewerbetreibende können je nach Bedarf Wärme und Kälte einspeisen oder entnehmen. So können Umwelt- und Umgebungsenergie, Abwärme und -kälte effizient genutzt und Verluste vermieden werden. Das smarte System optimiert sich dabei auf Basis von selbstlernenden Algorithmen stetig weiter. Nach eigenen Angaben will Eon die klimafreundliche Technologie weltweit breit vermarkten, derzeit wird das System in den deutschen und britischen Wärmemarkt eingeführt.

Doch auch die Ideen junger, innovativer Unternehmen mit kleinem Budget haben in der Metropole Ruhr gute Chancen auf Umsetzung. Mit erfolgreichen Gründerplattformen und Initiativen, wie dem RuhrHUB Essen und der Gründerallianz Ruhr sowie zahlreichen Accelerators wie Cube 5 in Bochum, dem Digital Hub Accelerator, dem Future Champions Accelerator Rhein Ruhr, Starbuzz in Mülheim sowie Starport, dem Accelerator des Hafens Duisburg, entwickelt sich die Region mehr und mehr zum Start-up-Hotspot, der mit guter Vernetzung und Nähe zur Industrie punktet. Start-ups und KMU können hier gemeinsam mit Traditionskonzernen eine neue Ressource fördern, die in der Region nicht so schnell knapp wird: Innovation.

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Wir fördern nur noch eine Ressource: Innovation

5.000 Patente in Zukunftstechnologien, ein Aufzug der zur Seite fährt und das erste Smart Hospital Deutschlands – die Metropole Ruhr beweist ihre besondere Innovationskraft. Sehen Sie selbst.

Die besondere Innovationskraft der Metropole Ruhr

„Innovate or die!“ Das gilt für Konzerne und Start-ups gleichermaßen. Rund 40 internationale Start-ups waren daher Anfang 2019 beim Pitch-Event Beyond Conventions in der Metropole Ruhr und haben sich den Herausforderungen von Weltkonzernen wie thyssenkrupp oder innogy gestellt.

Echt Smart: Die digitale Musterregion Europas

Von der Laterne über den Müllcontainer bis hin zum Parkplatz – in einer Smart City ist alles vernetzt. Das spart Kosten, Energie und Emissionen. Auch die Metropole Ruhr vernetzt sich zunehmend. Ein Beispiel ist die „Digitale Modellstadt“ Gelsenkirchen. Hier werden vernetzte Lösungen für Mobilität, Arbeiten und Leben erprobt.

10 Gründe, warum die Metropole Ruhr die Smart City Europas ist

Zukunftstechnologie Maschinelles Lernen

Der Schlüssel für intelligente Produkte, neue Geschäftsmodelle und Vorsprung steckt im internationalen Wettbewerb im Maschinellen Lernen. Warum gerade die Metropole Ruhr hier ein Vorreiter ist und was das neue Kompetenzzentrums Maschinelles Lernen Rhein-Ruhr (ML2R) in Dortmund damit zu tun hat, erklärt Prof. Katharina Morik, Professorin für Informatik und international angesehene Pionierin in ihrem Forschungsgebiet.

Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft fördert Innovation

Die Metropole Ruhr hat sich rasant zur beliebten Studentenhochburg entwickelt. Einer dichten Hochschullandschaft mit breitem Angebot und Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sei Dank.

Heimat der Cyber-Security

„Ich bin der Erfinder des kommerziellen Antivirus“, sagt Andreas Lüning, Gründer und Vorstand der G DATA Software AG in Bochum. 1987 programmierte er das erste Antivirenprogramm. Heute gehört G DATA zu den weltweit führenden Herstellern von Antivirensoftware. Über 500 Beschäftigte weltweit sorgen für Cyber Security von Unternehmen, kritischen Infrastrukturen und Millionen von Privatkunden.