Bönen – Kleine Kommune mit großer Kreativität

Wo ländliche Gemeinschaft Strukturwandel kann

Bönen, die Gemeinde im ländlichen Raum am Rande der östlichen Metropole Ruhr, zählt mit rund 18.500 Einwohnerinnen und Einwohnern zu den kleinen Kommunen der Region. Vom einstigen Bergbaustandort ist der Zechenturm als Landmarke „Yellow Marker“ sichtbar erhalten geblieben. Der Strukturwandel scheint geschafft. Bönen hat sich zu einer wirtschaftlich attraktiven und lebendigen Gemeinde entwickelt. Doch Themen wie die Abnahme und Alterung der Bevölkerung, die Digitalisierung von Beruf und Alltag sowie der Wandel an Mobilitätsanforderungen stellen den Ort vor neue Aufgaben. Wenn aber die starke Gemeinschaft wie bisher voller Kreativität und Gestaltungskraft agiert, sollten auch diese Herausforderungen gut gemeistert werden. In 2018 jedenfalls gab es schon einmal etwas zu feiern: das 50-jährige Bestehen der Gemeinde.

Kompetenzzentrum Bio-Security

Bahnhof Lenningsen von 1901: heute Kindertagesstätte und Bürgerzentrum

Stadtfeste laden zum Bummeln in die attraktive Fußgängerzone ein

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Arbeiten: Von der Kohle zur Logistik, vom Handwerk zur Kunst

Die Schließung der Zeche Königsborn III/IV leitete den Strukturwandel ein. Seither hat sich Bönen zu einem gefragten Arbeitsstandort entwickelt. Der eigene Autobahnanschluss und die Planung von rund 200 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen haben den Weg dazu geebnet. Täglich pendeln mehrere Tausend Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Gewerbegebiete. Zu den ansässigen Branchen zählen neben Handwerk auch Dienstleistungen, zum Beispiel im Logistikbereich, und Einzelhandel. Sogar für künstlerische Berufe finden sich hier ideale Rahmenbedingungen.

Kreativität können aber auch Politik und Verwaltung in Bönen. Diese nutzten beispielsweise die Möglichkeit, das Bahnhofsumfeld neu zu gestalten und stellten so die Weichen für den Neubau des Rathauses in 2018 mit direkter Anbindung an einen neuen Lidl Markt. Für Bürger und Pendler bedeutet dies ein kompaktes Angebot im Zentrum mit kurzen Wegen: Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen und Nahverkehr – alles beisammen.

Business: Gefragte Gewerbestandorte mit besonderen Vorzügen

Welser, Stahl Becker, KiK, Zurbrüggen, Pharmlog und Gea Farm Technologies: In den Industrie- und Gewerbegebieten „Am Mersch“ und „Inlogparc“ haben viele, auch international bedeutende, Unternehmen ihren Sitz. Sie alle nutzen die Vorzüge des Areals – einer der Vorteile: die nahegelegene Anschlussstelle A 2 – die wichtigste Ost-West-Verbindung in der Mitte Europas. Beide Gewerbegebiete sind nach neuesten Standorterfordernissen konzipiert und haben sich daher zu gefragten Standorten für die den Umschlag von Gütern und für logistische Dienstleistungen etabliert. 

Es finden sich aber Unternehmen ganz besonderer Art, wie das Kompetenzzentrum Bio-Security, welches sich als Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft versteht. Das Zentrum bietet Start-ups und jungen Unternehmen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft, der Biotechnologie und verwandten Branchen das optimale Umfeld, um Forschungsprojekte und Geschäftskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Erwähnenswert scheint in diesem Zusammenhang auch der jährlich stattfindende Bio-Gründer-Wettbewerb, bei dem Jungunternehmerinnen und -unternehmer aus den genannten Bereichen ihre Konzepte einreichen können. Die Siegerin aus 2015 konnte ihr Produkt Schnexagon, ein unweltverträglicher Antihaft-Anstrich gegen Nacktschnecken im Garten, sogar im TV-Format „Höhle der Löwen“ platzieren.

Leben: Ländlich wohnen und dennoch zentral verbunden

Das Pulsieren der Großstädte scheint weit entfernt, wenn man durch die südlichen Dörfer Bönens spaziert oder auf dem gut ausgebauten Radwegenetz mit dem Fahrrad unterwegs ist. Hier wird gute Nachbarschaft groß geschrieben und Gemeinschaft gelebt. Engagement und Ehrenamt sind auf vielfältige Weise spürbar – sei es beim „Diner en blanc“ in Flierich, organisiert vom Heimatverein Kerspell Fle-ik, beim Erhalt des Förderturms der Zeche Königsborn III/IV als begehbares Denkmal und Ort der Erinnerungskultur durch die Bürgerstiftung, bei Führungen im Turm durch den Förderverein, bei denen die Geschichte des Bergbaus lebendig erzählt wird oder durch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bönen, die mit ihren Einsätzen Gefahren abwehren und Menschen schützen.

Kunst- und Kulturveranstaltungen finden ganzjährig an unterschiedlichen Orten statt, z. B. in der alten Mühle, im Backhaus oder im Zechenturm. Der Förderturm der ehemaligen Zeche Königsborn III/IV ist mit seiner industriekulturellen Kulisse sicherlich sehr spannend und über die Gemeindegrenzen bekannt. Bönen hat alles, was eine Gemeinde lebenswert macht. Hier können Bürgerinnen und Bürgern sich rundherum wohlfühlen. Und wer zwischendurch einmal Stadtluft schnuppern möchte: Die Großstädte der Metropole Ruhr sind nur einen Katzensprung entfernt.

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