Erfolgsmodell Tummelmarkt

Stöbern in Wittens Kreativquartier Wiesenviertel

Außer parkenden Autos gab es auf dem Humboldtplatz im Wittener Wiesenviertel nicht viel zu sehen. Die schönen Altbauten und großen Bäume am Rande fallen erst auf den zweiten Blick auf. Mit ein wenig Phantasie und Engagement könnte man diesen eigentlich reizvollen Ort mit Leben füllen, dachten sich Studierende der Universität Duisburg-Essen, der TU Dortmund und der Universität Witten-Herdecke sowie Mitglieder des Wittener Kulturveranstalters Stellwerk. So entstand die Idee zum Tummelmarkt, einem lebendigen Platz mit lokalen Produkten. Mit dem Event möchten die Organisatoren den Markt als bürgerliche Institution, vor allem auch bei jungen Menschen, zurück ins Bewusstsein holen.

„Echte Überzeugungsarbeit“ mussten sie und ihr Team leisten, so Projektleiterin Lisa Wagner. „Wir haben viel mit Händlern und Gastronomen telefoniert, Bilder geschickt und Kontakte genutzt“. Gleich der erste Markt im Jahr 2015 war ein voller Erfolg. Seitdem kommen immer mehr Stände und Besucher im Wiesenviertel, das sich zu einem Kreativquartier gemausert hat, dazu.

Auf die richtige Mischung kommt es an

Viel Wert legen die Studierenden auf die richtige Mischung. Zwei Drittel handwerkliche Anbieter und ein Drittel Gastronomie. Außerdem: Hoch kommerziell soll es auf dem Tummelmarkt nicht zugehen. Da gibt es zum Beispiel Olivenöl, in guter Qualität und die Flaschen in überschaubarer Menge. Oder den Lavendelhonig aus der Provence. Und den Ruhrkäse, der kommt aus einer Käserei in Hagen. Mancher fing mit seinem Geschäft auf dem Markt an – und konnte so expandieren – auch in die direkte Umgebung des Humboldtplatzes. Bennos Brauhaus zum Beispiel startete mit seinem Wittener Bier an einem Stand – jetzt gibt es die passende Kneipe dazu. Und den Ruhrkäse findet man inzwischen sogar bei einer bekannten Supermarktkette. Übrigens immer ohne Gentechnik und Zusatzstoffe. Auch das ist dem Tummelmarkt-Team wichtig. „Was hier verkauft wird, sollte schon nachhaltig sein“, so Lisa Wagner. „Die Leute sollen zum Stöbern und Entdecken kommen, also nicht schnell hin, essen und wieder weg.“ Daher hat die Wittenerin auch für reichlich Sitzgelegenheiten mitten im Geschehen gesorgt: Nicht nur Tische und Stühle, sondern auch Teppiche, Kissen und Sitzsäcke laden zur Pause und zum Klönen ein.  

Alles richtig gemacht: Das Angebot aus Streetfood, Obst, Gemüse, Handgemachten und Straßenmusik wird so gut angenommen, dass der Markt in diesem Jahr fördergeldunabhängig ist, er finanziert sich über die Standeinnahmen und das Sponsoring privater Initiativen und Firmen. Die werden übrigens auch gerade  für 2018 gesucht – und ehrenamtliche Helfer, die genauso viel Spaß an einem lebenswerten und lebendigen Viertel haben wie Lisa Wagner.