Sightseeing der Extraklasse

Halden und neue Stadtquartiere locken Touristen und Fachbesucher in die Metropole Ruhr

Mehr als 1.000 Industriedenkmäler, 200 Museen, 250 Festivals, 120 Theater und 20 begehbare Halden: Kaum eine Region hat mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten als die Metropole Ruhr. Das schafft natürlich Arbeitsplätze: Rund 115.000 Beschäftigte arbeiten in der Region im Tourismus-Sektor. Eine von ihnen ist Melanie Hundacker, Tour-Guide und Inhaberin der Agentur simply out tours mit Sitz in Essen. Sie hat sich u.a. auf Aktiv-Touren und Events im Ruhrgebiet spezialisiert.

„Mit unserer Industriekultur haben wir Superlative geschaffen, die international Aufmerksamkeit erzeugen. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, an dem die Dichte der Sehenswürdigkeiten höher ist als hier“, erklärt Melanie Hundacker. Gemeinsam steigen wir mit ihr 159 Meter hoch auf die höchste begehbare Halde im Ruhrgebiet: Haniel in Bottrop. Von insgesamt 20 Halden aus können Besucher die Region von weit oben betrachten. In der sonst sehr flachen Landschaft ragen die heute größtenteils renaturierten Halden als sichtbares Erbe des Bergbaus heraus.

„Ohne den Erhalt unserer ehemaligen Industrieanlagen würde es mich so wie ich heute lebe und arbeite nicht geben“, erzählt Melanie Hundacker. Die Unternehmerin kündigt 2006 ihren Job als Marketing-Projektleiterin und entscheidet sich für die Selbstständigkeit. „Für meine Idee, ausgerechnet auf den Tourismus im Ruhrgebiet zu setzten, wurde ich belächelt.“ Doch die Zahlen geben ihr Recht: „Ich habe jedes Jahr eine Umsatzsteigerung“, berichtet Hundacker. Anfangs führte sie ihre Touren zu Fuß, per Rad oder mit dem Bus noch selber durch. Mittlerweile beschäftigt sie mehr als 40 freie Tour-Guides, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.     

Exkursionen für Internationale Fachbesucher                  

 „Neben Freizeittouristen haben wir auch unheimlich viele Fachbesucher, die bei uns Exkursionen buchen und sehen wollen, wie der Strukturwandel funktioniert. Darunter sind zum Beispiel Stadtplaner aus den Niederlanden. Metropolenorte wie Den Haag oder Amsterdam, die ineinander wachsen, nehmen sich die Infrastruktur hier zum Vorbild“, so Hundacker.

Durch die Verdichtung von Wohnen und Arbeiten in der Metropole Ruhr ändert sich alle paar Meter die Kulisse: Wasser. Zechen. Wälder. Museen. Villen. Dax-Unternehmen. Eine solche Vielfalt finden Touristen nur in der Metropole Ruhr. Die Anziehungskraft der Region macht sich seit Jahren positiv bemerkbar: Im letzten Jahr stieg die Zahl der Übernachtungen erstmals auf über acht Millionen. Von insgesamt 4,1 Millionen Besuchern kamen rund 730.000 aus dem Ausland, zumeist aus den Niederlanden, Großbritannien und Österreich.

Oben auf der Halde angekommen, sieht es aus wie eine Mondlandschaft – allerdings mit Amphitheater, einem Blick ins Grüne und einer Menge Mountainbiker. Jede Halde im Ruhrgebiet hat ihre eigenen charakteristischen Merkmale. Auf der Halde Haniel sind es der Kreuzweg mit 15 Stationen und die 100 bunt bemalten Bahnschwellen. Der baskische Maler und Bildhauer Agustín Ibarrola hat die archaische Installation "Totems" geschaffen. Wie hier entstehen überall in der Region attraktive Ausflugziele, die Melanie Hundacker ihren Gästen auf verschiedenste Weisen zeigt.

Wenn sie in die Zukunft blickt, sieht sie neben klassischen Touren zu Zollverein oder zur Kruppgeschichte auch Führungen zum geplanten Pumpspeicherkraftwerk für erneuerbare Energien auf der Zeche Haniel  oder zur Stadtlandschaft Freiheit Emscher auf einer ehemaligen Bergbaufläche. „Und am liebsten würde ich meinen Gästen natürlich 2027 die Internationale Gartenausstellung präsentieren“,  so Hundacker.