„Freundschaft muss von Herzen kommen. Sonst wird das nichts.“

Blue Container: internationaler Kulturaustausch entlang der Seidenstraße

10.000 Kilometer lang ist die Seidenstraße – eine Bahnstrecke zwischen Ostasien und der Metropole Ruhr. Sie endet im größten Binnenhafen der Welt, in Duisburg, von dem aus Waren in ganz Europa verteilt werden. Nur zwölf Tage braucht ein Güterzug für die gesamte Strecke von einem Kontinent zum anderen – ein Schiff wäre 40 Tage unterwegs. Inzwischen kommen wöchentlich 25 Züge aus China in Duisburg an. Und in die Gegenrichtung fährt derzeit ein ganz besonderer „Blue Container“: ein Kunstzug, der in Duisburg anrollt, um über Usbekistan, Kasachstan und Urumqi die Reise nach Peking anzutreten. Unterwegs finden an allen vier Haltestellen zehntägige Kunstausstellungen und Wirtschaftspräsentationen statt.

Wirtschaft trifft Kultur

„Wenn Völker miteinander Handel betreiben, sollte es nicht nur ums Geschäft gehen“, ist Jian Guo überzeugt, der als Vorsitzender des Vereins Chinesischer Kulturaustausch für Kunst und Design (DCKD) in Düsseldorf das Projekt angestoßen hat  Als er 2014 den Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping im Duisport im Fernsehen verfolgt, fragt er sich: „Wieso gibt es in den Containern gar keine Kultur?“ Der Zug, findet er, sollte nicht nur Waren in die verschiedenen Länder liefern, sondern auch den kulturellen Austausch fördern. Für Guo gehört gegenseitiges Verständnis im Geschäftsleben dazu. Mit dem Blue-Container-Projekt ruft der 48-Jährige die größte Kunstaktion im Zusammenhang mit der Wiederbelebung der Seidenstraße ins Leben. Bevor die 180-tägige Fahrt jedoch losgeht, präsentiert Guo die erste Ausstellung im Duisburger Rheinpark.

Internationale Künstler stellen in Duisburg aus

Die Kunstwerke sind bereits aus den Containern ausgepackt und in großen weißen Zelten aufgebaut. Die Ausstellung präsentiert verschiedene Werke aus China und den Anrainerstaaten der Seidenstraße. „Wir sind stolz darauf, Künstlerinnen und Künstler von internationalem Rang präsentieren zu können, die bereits in Paris oder New York gezeigt wurden“, sagt DCKD-Artdirektorin Yang Shu. Sie wählte die hochkarätigen Aussteller nach strengen Kriterien aus. Unter ihnen ist der Filmemacher Wang Bing. Er nahm an der jüngsten Documenta teil und zeigt in einem der Ausstellungszelte einen Film. Zu sehen ist auch der Performance-Artist Kwok Mang Ho aus Hongkong, der in der Szene unter dem Künstlernamen „Frog King“ bekannt ist. Zu den Ausstellern gehört außerdem der in Duisburg lebende Bildhauer Gil Shachar, der international bekannt ist für seine Skulpturen und Wandobjekte.

Absolutes Highlight der Ausstellung: Erstmals werden in Deutschland Wandbilder der weltberühmten Mogao-Grotten, eines Systems mehrerer hundert Höhlentempel im chinesischen Dunhuang, präsentiert. In Duisburg sind sie als Drucke und mittels Virtual-Reality-Technik zu sehen. Die Originale stammen aus dem vierten bis zwölften Jahrhundert und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Besonders beeindruckend ist auch die Ausstellung von großformatigen Tuschezeichnungen. Die teilnehmenden Künstler gehören zu den herausragenden heute aktiven Tuschemalern und beschäftigen sich mit dem Thema Mensch und Lebensgefühl.

Wenn Völker miteinander Handel betreiben, sollte es nicht nur ums Geschäft gehen

Jian Guo, Vorsitzender des DCKD

Geschäfte entstehen erst aus Beziehungen

„Viele Unternehmen betrachten beim Handel nur wirtschaftliche Aspekte. Sie orientieren sich an der Ware“, sagt Guo, „aber um in den richtigen Austausch gehen zu können, müssen wir die Kultur unserer Geschäftspartner verstehen und eine Beziehung aufbauen. Nur dann kann man sich auch geschäftlich zusammenfinden.“ Guo hofft, dass sich durch die Blue-Container-Ausstellungen Menschen unterschiedlicher Kulturen kennenlernen und austauschen: „Freundschaft muss von Herzen kommen. Sonst wird das nichts.“