Auf neuen Wegen zur CO²-Reduzierung

Städte aus der ganzen Welt lernen aus Klimaschutzprojekten der Metropole Ruhr

Internationale Gäste gibt es häufig auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein in Essen. Doch so viele verschiedene Sprachen durcheinander sind selten zu hören: Griechisch, Englisch, Polnisch, Französisch... Von nahezu überall kamen sie in die Metropole Ruhr – die Vertreter der insgesamt 255 Städte, die an der internationalen TWINS Conference Ruhr teilnahmen. Die Konferenz Anfang November 2017 hatte vor allem ein Ziel: Wissen auszutauschen und Kompetenz zur CO2-Reduzierung zu entwickeln, um den globalen Temperaturanstieg deutlich unter zwei Grad zu halten. Teilweise hatten die Teilnehmer lange Reisen, so z.B. aus China, auf sich genommen, um das neue Ruhrgebiet, die Metropole Ruhr, kennenzulernen. Und das konnten sie – denn neben Vorträgen, Diskussionen und Workshops standen aufschlussreiche Ausflüge zu herausragenden Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekten in der Stadt der Städte auf dem Programm.

Verborgenes Glanzlicht Eltingviertel

Das erste Ziel war das 100 Jahre alte Eltingviertel. Gerade einmal 600 Meter liegt das verborgene Glanzlicht von der Essener City entfernt. Herrschaftlich wirkende Gebäude im Stil der Gründerzeit treffen auf zugemauerte Fenster und gelebte Industriegeschichte auf rote Hängegeranien. Die meisten Häuser stehen heute unter Denkmalschutz. Die Innovation City GmbH, die Stadt Essen und Vonovia als größter Vermieter modernisieren zurzeit das Quartier – durch zeitgemäße Energie- und Wohnkonzepte, eine verbesserte Infrastruktur sowie die Neugestaltung von Parks und Spielplätzen. „Um die schönen Fassaden der Häuser zu erhalten, haben wir auf die Außendämmung verzichtet,“ erklärt Rüdiger Schumann, Bereichsleiter Marketing & Kommunikation der Innovation City Ruhr GmbH den höchst interessierten Gästen. „Das war möglich, weil die Wände sehr dick gemauert sind.“

Das Zukunftshaus kann (fast) alles

Nächste Station für die internationalen Teilnehmer war Bottrop, wo die Innovation City Management GmbH das „Zukunftshaus“ vorstellte. Das Gebäude der Gesellschaft für Bauen und Wohnen in Bottrop mbH (GBB) bringt ökologisches, ökonomisches und soziales Bauen vorbildlich unter ein Dach und produziert mehr Energie, als es verbraucht – dank neuester Technologien. Dazu ist es barrierefrei und flexibel für verschiedene Wohnformen. Strom produziert es selbst, über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Frischluft wird abhängig von der CO2-Konzentration zugeführt. „Niemand muss sich mehr die Mühe machen und ein Fenster öffnen“, so Rüdiger Schumann auf die Nachfrage eines Gastes aus Australien, „außer zum Putzen“. Das ist tatsächlich so ziemlich das Einzige, das das Haus nicht selber kann. Sogar das Elektroauto auf dem Parkplatz davor versorgt es gleich mit, eine eigene Ladestation ist vorhanden.

Smart und unabhängig: Das Kreativquartier Lohberg

In die Zukunft führt auch das Kreativ.Quartier Lohberg in Dinslaken, dritter und letzter Anlaufpunkt der Exkursion. In einzigartiger Landschaft, wo bis 2005 mit der letzten Schicht die hundertjährige Erfolgsgeschichte des Steinkohlebergbaus endete, entsteht gerade eines der ehrgeizigsten Entwicklungsprojekte der Stadt. Das moderne Quartier mit überregionaler Bedeutung lädt zum umweltbewussten Arbeiten und Wohnen ein. Rund 1.000 Menschen profitieren schon bald von der smarten Bauweise. „Das Quartier versorgt sich komplett selbst mit unabhängiger Energie“, sagt Bernd Lohse, Projektleiter bei der RAG Montan Immobilien GmbH. Ein intelligenter Mix aus erneuerbaren Energien macht es möglich. Gleichzeitig ist das Kreativquartier ein Beweis dafür, dass es sich in der Metropole Ruhr gut und abwechslungsreich leben lässt: Die großflächige Haldenlandschaft mit See, Promenade und idyllischen Parkanlagen rund um das ehemalige Zechengelände bietet jetzt schon einen hohen Erholungswert. Rund 200 Wohneinheiten, Gastronomie und Geschäfte sind geplant.