Zechenzukunft: Waltroper Standort vereint Tradition und Moderne

Analog gestartet, digital gewachsen: Der Warenhändler Manufactum vertreibt seit 30 Jahren nachhaltige Produkte des täglichen Bedarfs

Die letzte Zeche im Ruhrgebiet schließt Ende 2018. Dass die großen, oftmals zentral gelegenen Gelände trotzdem Zukunft haben, zeigt der Gewerbepark Waltrop auf eindrucksvolle Weise. In einem Jugendstilbau auf dem ehemaligen Zechengelände hat Manufactum seinen Hauptsitz. Mit drei Mitarbeitern startete der Versender 1987, nun hat das erfolgreiche Unternehmen deutschlandweit 550 Angestellte. Es vertreibt hochwertige Produkte, die verantwortungsvoll, ressourcenschonend und sozialverträglich hergestellt werden. Das Angebot reicht dabei von Küchengeräten über Kosmetika bis hin zu kompostierbarer Kleidung, die in den deutschlandweit neun Warenhäusern und natürlich auch weltweit im Internet vertrieben werden. Im hochmodernen Bürogebäude mit Industriecharme treffen wir die 31-jährige Lea Böttger, Marketingmitarbeiterin bei Manufactum – aus Überzeugung, denn ein verantwortungsvolles Wirtschaften ist ihr persönlich sehr wichtig. Sie absolviert gerade ihren berufsbegleitenden Master in Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft nachhaltig gestalten“.

Gewerbepark Waltrop: 40 Neuansiedlungen auf ehemaligem Zechengelände

Neben Manufactum haben sich noch weitere Firmen für den ehemaligen Zechenstandort entschieden: mittelständische Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, Ingenieurbüros sowie eine Galerie. Durch die etwa 40 Neuansiedlungen bietet das ehemalige Zechengelände inzwischen rund 350 Arbeitsplätze. Es ist ein gut besuchter Ort, häufig trifft man Fotografen, die Hochzeitspaare vor der Industriekulisse ablichten, viele Spaziergänger drehen mit ihren Hunden eine Runde, manche verweilen danach noch im Café. Lea Böttger arbeitet gern in Waltrop und wird oft an die Bergarbeiter erinnert, die hier einst malochten, so wie ihr Urgroßvater, der ebenfalls auf einer Zeche beschäftigt war. Gewissermaßen trägt sie diese Tradition weiter. Nur fördert sie keine Kohle, sondern das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, auch in der Wirtschaft. Sie sieht die Geschichte hinter den Produkten, die Menschen, die sie herstellen, und die Wertschätzung, die sie erfahren sollten. Diese Kombination aus Bewährtem und Zukunftsweisendem spiegelt sich auch in den restaurierten und denkmalgeschützten Gebäuden der Zeche wider, die nun mit neuem Leben gefüllt sind.