Saubere Sache – dieser Stein hat es in sich

STEAG-Innovation sorgt nicht nur für gesündere Luft in Städten, sondern auch für internationale Aufmerksamkeit

Manche Dinge in unserer Umgebung sind so alltäglich, dass sie uns gar nicht mehr auffallen. Doch es lohnt sich, näher hinzusehen – zum Beispiel nach unten auf die Straße. Natürlich könnte es sich um einfaches Pflaster handeln. Vielleicht ist es aber auch Photoment, eine Betonmischung aus Steinkohlenflugasche und Weißpigment, die die Luft von Stickoxiden (NOx) reinigt.

Die STEAG Power Minerals GmbH mit Sitz in Dinslaken hat den innovativen Baustoff, der z.B. Abgase aus Dieselfahrzeugen neutralisieren soll, entwickelt und wirbt mit dem Slogan: „Das kann kein Baum.“ Und tatsächlich: „Ein kleiner Pflasterstein reinigt einen Kubikmeter Luft“, erklärt STEAG-Projektleiter Dennis Pannen. Vielfach sei noch nicht bekannt, welche Möglichkeiten es abseits von Fahrverboten zur Stickoxidreduktion gebe, ergänzt Sarah Höfer, Leiterin Marketing und Kommunikation. „Natürlich können wir mit Photoment allein nicht das Gesamtproblem lösen, aber zumindest einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas leisten.“

Ohne Licht und Regen geht es nicht

Bei der Reinigung handelt es sich um einen photokatalytischen Prozess, das heißt: Das Material braucht Tageslicht oder künstliche Beleuchtung, um Stickoxide aus der Luft zu ziehen, und Regenwasser, um diese in Nitrat umzuwandeln. Das klingt, zugegeben, auch nicht umweltverträglich. „Nitrat entsteht aber während des Prozesses in so geringen Mengen, dass es nicht ins Gewicht fällt“, so Dennis Pannen. Im STEAG Power Minerals-Labor, zwischen Dutzenden Flaschen, Schläuchen, Glaskästen und Reagenzgläsern, werden verschiedene Temperaturen, Lichtintensitäten und Niederschläge simuliert. Im Mittelpunkt steht immer der Stein. Getestet wird, welches die effektivste Mischung aus seinen einzelnen Bestandteilen ist.

Verbesserung der Lebensqualität in der Metropole Ruhr und international

Allein in Bottrop, der ‚Innovation City’, wurden auf einer Fläche von 750 Quadratmetern etwa 50.000 Photoment-Steine verbaut. Die Belastung durch Stickoxide konnte so um durchschnittlich 12 Prozent verringert werden. Dort, an einer vielbefahrenen Kreuzung, sind wir mit Jan Küppers, Projektleiter der Innovation City Management GmbH, verabredet. Auf die Frage, wo denn nun Photoment verlegt ist, kommt prompt die Antwort: „Sie stehen schon drauf“. Aha. Wir sehen... nichts. Außer wirklich nur Pflastersteine. Was aber doch auffällt – die Steine, die die Luft sauber halten, sind selbst sauber: Keine Flecken, kein Moos, sie sehen aus wie neu. „Ja, sie reinigen sich selbst – ein willkommener Nebeneffekt“, weiß Küppers. Interessant auch für Privatleute: Der Baustoff kann in allen Arten von Betonwerk – egal ob Dachziegel, Fassadenfarbe oder Lärmschutzwand – verwendet werden. Inzwischen gehören Pflastersteine mit Photoment daher in ausgesuchten Baumärkten zum Sortiment.

Interesse von vielen Seiten

Immer mehr Stadtplaner in Deutschland setzen, neben nachhaltiger Stadtgestaltung mit weniger Verkehr und der Ausweitung von Grünflächen, auf die besonderen Pflastersteine. Dabei macht die Metropole Ruhr den Anfang – was für den Kraftwerkskonzern STEAG mit Hauptsitz in Essen ein Heimspiel bedeutet. Aber auch andere Ballungsräume, wie z.B. Stuttgart, sind ganz vorne dabei. International rückt Photoment ebenfalls verstärkt in den Fokus – eine chinesische Delegation besuchte vor kurzem das STEAG Power Minerals-Labor, um sich mit den Experten vor Ort auszutauschen. 

Die Innovation ist nicht nur eine saubere Sache, sondern auch eine ausgezeichnete Idee, finden die Jurymitglieder von Europas größtem, unabhängigen Umwelt- und Wirtschaftspreis. Sie verliehen Photoment den renommierten GreenTec-Award 2016 in der Kategorie Urbanisierung, da er die Lebensqualität in Städten erhöht.