„Manchmal fühle ich mich hier wie im Silicon Valley“

Jan Schriewer von der Green IT Das Systemhaus GmbH im Interview zu grünem Know-How und innovativen Technologien in der Metropole Ruhr

Rund 100.000 Beschäftigte arbeiten in der Metropole Ruhr in der Umweltwirtschaft und generieren einen Gesamtumsatz von 26 Milliarden Euro im Jahr. Einer von ihnen ist Jan Schriewer. Der 35-Jährige ist gelernter IT-Systemkaufmann und leitet gemeinsam mit Thomas Lesser das erste grüne Systemhaus in Deutschland: die Green IT. Der Dienstleister setzt auf Nachhaltigkeit im Büro und verbindet Ökonomie mit Ökologie.

Wir treffen Jan Schriewer am Unternehmensstandort im Wissenschafts-und Technologiecampus in Dortmund. Hier ist es grün - nicht nur im Vorgarten. Vor dem Gebäude steht eine smartflower, eine mobile Photovoltaikanlage. Auf dem Weg zum Eingang laufen wir an einem Elektroauto vorbei. Es ist mit dem Logo der Green IT beklebt. Wir betreten das Gebäude – und stehen mitten im Wald. Es zwitschern Vogelstimmen. Sie kommen aus einem Kasten an der Tapete, die mit Bäumen bedruckt ist.

Die Atmosphäre ist geschäftig, am Folgetag findet ein großer Charity-Event auf dem Firmengelände statt. Dennoch, Jan Schriewer ist gut gelaunt, entspannt und in Plauderlaune.

Manchmal fühle ich mich hier schon wie im Silicon Valley.

Jan Schriewer, Geschäftsführer Green IT Das Systemhaus GmbH

Sie haben 2016 den Sonderpreis „Grüner Handel“ für ein Projekt am Dortmunder Flughafen gewonnen. 2017 räumte Green IT beim Unternehmenswettbewerb „Wachstumschampion des Jahres 2017“ in der Kategorie „IT, Internet, Software & Services“ den ersten Platz ab. Wie drückt sich ihr Erfolg in Zahlen aus?

Schriewer: Wir sind im Januar 2013 mit sechs Mitarbeitern gestartet – heute haben wir 106 an Bord. Unsere Kunden haben das grüne Denken von Anfang an wertgeschätzt und unserem jungen Unternehmen Vertrauen geschenkt. So konnten wir schon im ersten Jahr 13 Millionen Euro Umsatz generieren – mit Gewinn. Das ist als Start-up sicherlich die Ausnahme. Heute liegt unser Umsatz bei gut 32 Millionen Euro. Ein solch rasantes Wachstum funktioniert nur, wenn man ein sehr engagiertes Team hat.

Green IT belegte 2017 den zweiten Platz beim Gründerpreis NRW. Was war die Idee hinter der Gründung?

Schriewer: Am Anfang der Gründung war das „grüne“ Thema noch gar nicht so hip. Aber wir waren uns sicher, dass es Zukunft haben wird – besonders im IT-Bereich. Wir lieben die Umwelt und den Umweltschutz. Warum nicht daraus eine Geschäftsidee entwickeln? Da sind wir in einer guten Situation. Denn wenn wir grün handeln, ist das auch gut für den Geldbeutel. Wir verbrauchen weniger Ressourcen z. B. Strom oder Papier, weil wir auf digitale Prozesse setzen. Damit sind wir mit grünem Handeln ökologischer, aber auch entscheidend ökonomischer. Das greift Hand in Hand. Diese Schnittstelle ist unser Handlungsfocus. Die Wirtschaftsförderung aus Dortmund hat uns dabei von Anfang an extrem gut unterstützt. Wir hatten immer einen Ansprechpartner, wenn es z. B. um Finanzierungen und Investitionsgüter ging.

Warum haben Sie sich für die Metropole Ruhr als Standort entschieden?

Schriewer: Die Standortbedingungen hier sind großartig. Wir haben eine Unternehmensdichte, die es in Deutschland so nicht noch einmal gibt. Zudem sind um uns herum wirklich alle Branchen vertreten. Man spricht immer von einer Gründerszene Berlin oder Hamburg – aber hier gibt es eine Hidden-Champion-Situation. Wenn ein internationaler Weltmarktführer wie Wilo in der Nähe des Phoenix Sees, am Rande von Phoenix West, für 60 Millionen Euro einen riesigen Campus baut, zeigt das die Anziehungskraft des Standorts. Wir haben hier viele innovative Unternehmen insbesondere im Bereich Greentech. Das birgt eine Menge Kooperationsmöglichkeiten. Hinzu kommt:  Das Ruhrgebiet ist unsere Heimat. Wir fühlen uns wohl und ein Großteil unserer Kunden ist hier verwurzelt. Wir arbeiten aber auch deutschlandweit für Kunden unterschiedlichster Größen - vom Mittelständler bis zum Großkonzern.

Green IT sitzt hier mitten im Wissenschafts- und Technologiecampus Dortmund. Welche Vorteile ergeben sich durch die Nähe zu zahlreichen Unternehmen, Experten und der Universität?

Schriewer: Der Wissenschafts- und Technologiecampus ist einer der führenden Standorte für Hightech in Europa. Hier ist der Standort von 350 Unternehmen - alles potenzielle Kunden. Viele sind es auch schon. Ich habe gestern noch einen Termin direkt um die Ecke wahrgenommen. Dabei ging es um das Thema Virtual Reality. Wir haben gemeinsam überlegt, wie sich ein virtuelles grünes Büro der Zukunft gestalten lässt. Auf dem Rückweg bin ich an einem Coworking-Space vorbeigelaufen. Das passiert alles hier im Ruhrgebiet. Nicht nur in London, Shanghai, San Francisco oder Los Angeles. Im Sommer komme ich mir hier schon ein bisschen wie im Silicon Valley vor.
Außerdem haben wir durch die Universität den Vorteil, junges, motiviertes Fachpersonal zu bekommen.

Sie sind frisches Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren und auch bei Greentech.Ruhr. Welche Rolle spielen solche Netzwerke für Ihr Unternehmen?

Schriewer: Netzwerke sind immer interessant für die Unternehmensentwicklung. Es geht darum, Input zu sammeln und Ideen auszutauschen. Mir ist dadurch erst bewusst geworden, wie viele innovative Unternehmen in der Metropole Ruhr sitzen. Es ist total spannend, sich mit anderen zu vernetzten und daraus neue Geschäftsideen für unsere Kunden zu entwickeln.

Computer-Nerd oder Umweltkämpfer? Wie würden Sie sich bezeichnen?

Schriewer: Im Herzen bin ich ein Nerd, auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe. Alles was mit Technik zu tun hat, ist bei uns Zuhause in meiner Herrschaft. Meine Frau und ich leben aber auch privat bewusst grün: Wir haben eine Solaranlage auf dem Dach, alles auf LED umgerüstet und fahren ein Elektroauto. Ich habe also meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Und das macht glücklich.

Über den Wissenschafts- und Technologiecampus Dortmund:

Der Wissenschafts- und Technologiecampus Dortmund ist einer der führenden Standorte für Hightech in Europa. Auf 420 Hektar arbeiten und forschen hier über 350 Unternehmen, die mittlerweile rund 100.000 Mitarbeiter beschäftigen. Als eines der ersten und erfolgreichsten Technologie- und Gründerzentren Deutschlands ist der Campus ein bundesweiter Vorzeigestandort, der Praxis und Wissenschaft optimal vernetzt.