Das größte Infrastrukturprojekt Europas: Der Emscher-Umbau

Einst bekannt als schmutzigster Fluss Deutschlands, nun als modernstes Abwassersystem der Welt

Dass der Emscher-Umbau als das größte Infrastrukturprojekt Europas nur wenig regionale Aufmerksamkeit erregt, kann zum einen an seinem unterirdischen und somit kaum sichtbaren Verlauf liegen, oder aber an der Skandalfreiheit, vermutet Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, die seit 25 Jahren an diesem einmaligen Großprojekt in der Stadt der Städte arbeitet. Denn sie hält den Kosten- und Zeitplan weitestgehend ein, was nicht selbstverständlich ist, denkt man an den Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie.

National und vor allem international weckt der Emscher-Umbau allerdings großes Interesse. Die GreenTech-Experten der Emschergenossenschaft sind im In- und Ausland mehr als gefragt, wenn es um Wasserwirtschaft und die Beratung von Pumpwerk- und Kläranlagentechnik, Renaturierung, Hochwassermanagement und Ökologie geht, was sich in zahlreichen Delegationsbesuchen aus der ganzen Welt in die Metropole Ruhr widerspiegelt. Der Abwasserkanal der Emscher wird von Dortmund-Deusen bis zur Emschermündung in den Rhein bei Dinslaken reichen und eine Länge von 51 Kilometern in bis zu 40 Metern Tiefe haben. Es gilt mit seinen drei Pumpwerken als modernstes Abwassersystem der Welt. Insgesamt wurden für das Gesamtprojekt Emscher-Umbau mehr als 5 Milliarden Euro veranschlagt.

Ende 2020 werden die Abwässer von 2,3 Millionen Menschen und der Industrie durch die neu errichteten unterirdischen Kanäle in die Kläranlagen fließen, und nicht mehr, wie zur Zeiten der Industrialisierung, oberirdisch durch den kanalisierten Fluss. Die Emscher wird dann wieder ein naturnahes Gewässer mit hohem Freizeitwert sein, wie schon in Dortmund am Phoenix-See gut sichtbar.

Als Dr. Uli Paetzel jung war, galten Sprünge über die verschmutzte Emscher als gefährliche Mutprobe. Vielleicht werden seine Kinder in einigen Jahren schon wieder gefahrlos in dem renaturierten Fluss schwimmen können. Für diese Zukunft arbeitet er mit ganzem Herzen als Vorstandsvorsitzender der über 100 Jahre alten Emschergenossenschaft, die mit dem Emscher-Umbau ehemals gemiedene Orte in eine lebenswerte Stadtlandschaft für die Menschen in der Metropole Ruhr verwandelt. Eine kleine ökologische Sensation konnte schon verzeichnet werden: Die Emschergroppe, eine seltene Fischart, die 100 Jahre lang als ausgestorben galt, lebt wieder in der Emscher.