Luxusmarke Jan Kath: Globales Teppichimperium in der Metropole Ruhr

„Die Kulisse des Ruhrgebiets hat mich stark beeinflusst“

Jan Kath ist einer der bedeutendsten Teppichdesigner der Welt. Das Hauptquartier seines globalen Unternehmens liegt etwas versteckt in Bochum.

Schon Jan Kaths Vater und Großvater waren Orient-Teppichhändler. Und so absolviert auch er zunächst im elterlichen Betrieb eine kaufmännische Ausbildung. Doch nach seinem Zivildienst zieht es ihn hinaus in die Welt. Unterwegs in Asien, und mittlerweile ziemlich pleite, trifft er zufällig einen Geschäftspartner seines Vaters. Schnell bietet der ihm einen Job in seiner Teppichfabrik in Nepal an. Bald darauf ist der junge Weltreisende in Kathmandu für 600 Arbeiter verantwortlich. Er entschließt sich, die Fabrik zu kaufen. Seine Eltern unterstützen ihn finanziell, allerdings ist das Geld für teure Designer knapp. So wird er mehr oder weniger aus der Not heraus selbst zum Chef-Designer und verrät: „Wir sind ziemlich naiv gestartet und durch ein tiefes Tal der Tränen gegangen, bis der Erfolg kam. Aber es gab absolut keinen Plan B.“

Von Bochum nach London, Paris und New York

Seine Wurzeln schlagen sich auch in seinem Stil nieder: „Die Kulisse des Ruhrgebiets mit seiner Industriekultur hat mich stark beeinflusst“, sagt Jan Kath. „Als Kind war ich häufig auf alten Zechen und Industriegeländen unterwegs und sah das Morbide, den abbröckelnden Putz… damit habe ich meine Designhandschrift entwickelt.“

Heute zählt Jan Kath zu den zehn erfolgreichsten Luxusmarken Deutschlands. Für einen Quadratmeter seiner Highend-Kreationen legen seine Kunden inzwischen bis zu 3.000 Euro hin. Für seinen Firmensitz hat er die Gebäude einer ehemaligen Maschinenfabrik in Bochum gewählt. Fast undenkbar, dass sich hinter der grauen Tür ein Hotspot der Luxusgüterindustrie verbirgt. Von außen unspektakulär, innen hell, offen, künstlerisch. Wie eine Galerie, in der die Teppiche wie großflächige Kunstwerke an den Wänden hängen. Und dies nicht nur in der Metropole Ruhr, sondern auch in Flagship-Stores sowie Showrooms in London, Paris, Vancouver, Toronto und New York. Seine Werke finden sich in den Villen der Superreichen genauso wie in den Boutiquen internationaler Luxuslabels.

Nachhaltiges Wirtschaften im Luxussegment

2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für Jan Kath in seinen Werkstätten in Thailand, Nepal, Indien, Marokko und der Türkei. Der Teppichdesigner engagiert sich für faire Arbeitsbedingungen in der Produktion, für ökologische Nachhaltigkeit und gegen Kinderarbeit. Das hat er alles in festen Standards definiert. „Nur wenn die Arbeiter genug verdienen, um ihren Familien einen sicheren Lebensunterhalt zu ermöglichen, können sie es sich leisten, ihre Kinder statt zur Arbeit in die Schule zu schicken“, weiß Jan Kath. Von der Einhaltung seiner Standards und der Produktionsqualität überzeugt sich Kath regelmäßig persönlich bei Besuchen in seinen Teppich-Manufakturen.

Trotz seines weltweiten Erfolgs ist der Designer bodenständig. Er trägt Sneaker und Jeans, tritt bescheiden auf. „Vor 25 Jahren hätte ich nicht annähernd geglaubt, dass wir einmal auf diesem hohen Niveau sein würden. Da gehört eine gehörige Portion Glück mit dazu, extrem viel Arbeit, man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Menschen treffen und dann auch noch was draus machen. Ich glaube, das klappt nur in den seltensten Fällen. Und das erfüllt mich mit Stolz und Freude.“

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