Moderne Mobilität durch Vernetzung und Digitalisierung

Die Metropole Ruhr ist ein optimaler Ort, um zukunftsweisende Verkehrssysteme umzusetzen, meint Drive-CarSharing-Gründer Andreas Allebrod

Andreas Allebrod ist Gründer der Drive-CarSharing GmbH und stieg 1995 in Dortmund als Erster in das CarSharing ein. Seit 2012 ist er verantwortlich für das Geschäftsmodel RUHRAUTOe. Mit seinen Projektpartnern VRR, VIVAWEST, der Universität Duisburg-Essen, Innogy eCarSharing, Ruhrbahn und verschiedenen Automobilherstellern entwickelt Allebrod ein innovatives und tragfähiges Mobilitätskonzept mit Elektrofahrzeugen als Schlüsselelement. In der Metropole Ruhr beteiligen sich inzwischen 18 Städte an dem Projekt, das rund 500 eAutos umfasst.

Herr Allebrod, Inwieweit wird „eMobilität“ das Verständnis von Mobilität in der Metropole Ruhr verändern?

Allebrod: Das Verständnis von Mobilität in der Metropolregion wird sich in den kommenden Jahren komplett ändern. In Kombination mit der Elektromobilität liegt dabei ein großes Potenzial. Das Ruhrgebiet ist Europas größte polyzentrische Metropole. Kein anderer Ballungsraum weist eine vergleichbare leistungsfähige und vielfältige infrastrukturelle Dichte auf. Daher ist die Metropole Ruhr der optimale Ort in Deutschland, um neue Verkehrssysteme, bei denen Elektromobilität eine zentrale Rolle spielt, in die Praxis umzusetzen.

Sprechen wir mit Ihnen heute über Autos?

Allebrod: Nein, keineswegs. Wir sprechen über Digitalisierung, Vernetzung und vor allem über Daten. Wir fahren nicht mehr einfach Auto. Vielmehr hat ein Umdenken stattgefunden – bei den Unternehmen, egal ob alteingesessene oder Start-ups, und beim Verbraucher. Wir suchen nach digitalen Lösungen, um verschiedene Verkehrsmittel und Dienstleistungen effizient zu verknüpfen. Gemeinsam mit unseren Partnern gelingt das inzwischen sehr gut.

 

Hört man sich um unter 17- bis 20-Jährigen, stellt man fest: Der Führerschein kann warten. Was ist denn da passiert?

Allebrod: Tatsächlich braucht die Jugend den Führerschein nicht. Da reicht das Fahrrad oder E-Bike in Verbindung mit Bus und Bahn. Sicher liegt das auch an der Einsicht, die Umwelt zu schützen und so außerdem noch eine Menge Geld sparen zu können.  Außerdem ist es ja inzwischen gar kein Problem mehr, mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein –  die Suche nach dem Parkplatz entfällt also auch. Und mit den neuen Radwegen, die auf alten Trassen entstanden sind, ist man in der Metropole Ruhr oft zügig am Ziel.

Wenn ich also, sagen wir, von Mülheim nach Castrop-Rauxel muss, unterwegs eine Besorgung machen und möglichst umweltschonend und schnell unterwegs sein möchte – wie können Sie dabei behilflich sein?

Allebrod: Wir vernetzten den Öffentlichen Nahverkehr oder auch die Bahn mit alternativen Transportmitteln – das kann ein E-Mobil aus einem Pool sein, zum Beispiel von Innogy SE, oder auch ein Bus, der mit Wasserstoffantrieb funktioniert, Vielleicht auch ein E-Scooter oder ein E-Bike. Sicher braucht das noch eine gewisse Zeit. Aber wahrscheinlich schon im kommenden Jahr können wir dafür sorgen, dass Sie in der Lage sind, sinnvoll und geplant verschiedenste Verkehrsmittel zu nutzen. Gleichzeitig organisieren wir z.B. den Einkauf, den Sie für einen entspannten Feierabend mitnehmen möchten, und platzieren ihn genau da, wo Sie ihn benötigen – z.B. in einem gekühlten Schließfach am Bahnhof, zu dem Sie mit dem E-Bike gekommen sind. Und das wiederum lassen Sie z.B. stehen, wenn es zur Reparatur oder Wartung muss – das Bike wird abgeholt und steht am nächsten Tag da, von wo aus Sie wieder starten wollen.

Das heißt, es ist möglich, das alles über eine Stelle zu koordinieren?

Allebrod: Ja, je weiter wir unser Netzwerk ausbauen, desto mehr Dienstleistungen können wir auch zentral anbieten. Dafür sehen wir uns, übrigens mit den Universitäten und Fachhochschulen vor Ort, genau an, welche Bedürfnisse unsere Kunden haben. Wir sammeln Daten, beispielsweise zu Wegstrecken, Zeiten und zu den Orten, wo am dringendsten ein Transportmittel gebraucht wird.

Bekommen Sie da nicht Probleme mit Datenschützern?

Allebrod: Natürlich, aber man muss sich eines vor Augen halten: Google weiß sowieso schon so gut wie alles. Das Handy anzuschalten, genügt. Und wenn ich den Komfort der neuen Art von Mobilität nutzen möchte, komme ich um die Preisgabe von persönlichen Daten nicht herum. Aber das ist die Entscheidung jedes Einzelnen.

In China gibt es eine Quote, was die Zahl von Elektroautos betrifft. Wird das auch hier der Fall sein – zumindest in Ballungsräumen wie der Metropole Ruhr?

Allebrod: Nein, hier kommen die Elektrofahrzeuge von ganz alleine. Sie sehen es gerade aktuell in der Diskussion um Dieselfahrzeuge. Wir sind ganz sicher, dass ein Fahrverbot ausgesprochen wird, das ist nur eine Frage der Zeit. Danach ist der Benziner dran, denn auch der ist mit Emissionen unterwegs. Die gesetzlichen Auflagen werden es regeln – die Zukunft ist liegt in E-Mobilen oder wasserstoffangetriebenen Fahrzeugen.

Es gibt dabei aber auch einige Hindernisse wie das Auftanken oder die Reichweite...

Allebrod: Vieles ist nur in den Köpfen als Problem vorhanden. Wer muss denn wirklich 600, 700 km am Stück fahren? Gerade hier in der Metropole Ruhr sind es ja für Pendler z.B. grundsätzlich eher kurze Wege. Klar gibt es Ausnahmen. Ich bin vor kurzem mit meinem Elektroauto rund 1.300 km weit nach Danzig gefahren, das Tanken habe ich als 20 Minuten-Pause genutzt und bin so zwar etwas später, dafür aber ganz entspannt angekommen. Und kostenfrei war der Strom auch.