„Wir können Berlin als Start-up-Standort den Kampf ansagen.“

Urlaubsguru-Gründer Daniel Krahn im Interview zum Start-up-Standort Metropole Ruhr

Die Gründerszene in der Metropole Ruhr wächst. Zur Förderung von innovativen Gründungen in der Stadt der Städte gibt es  immer mehr Initiativen, Beratungsstellen und Wettbewerbe. Eines der international bekanntesten Start-ups aus der Region ist Urlaubsguru.de, ein Online-Reiseschnäppchen-Portal, das sich gegenüber dem Dortmunder Flughafen niedergelassen hat. Wir sprachen mit Gründer Daniel Krahn über diese Entwicklung, der mit seinen 35 Jahren seit kurzem das jüngste Mitglied im Senat der Wirtschaft ist.

Gut gelaunt und gebräunt von der Sonne Bora Boras betritt Daniel Krahn um kurz nach neun das Großraumbüro. Mit vielen Grünpflanzen, großen Glasflächen und moderner Einrichtung wirkt es freundlich und offen, es gibt einen Ruheraum mit TV-Kaminfeuer und einen Spielraum mit Tischkicker und Tischtennisplatte. Gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Daniel Marx leitet Daniel die UNIQ GmbH, die mit ihrem Online-Portal Reisen im Wert von 200 Millionen Euro pro Jahr vermittelt, und dies bereits innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung des Unternehmens.

Daniel, mit dem Urlaubsguru könnt ihr bereits jetzt auf eine hollywoodreife Erfolgsgeschichte zurückblicken. Aus einem Zwei-Mann-Hobby wurde ein Unternehmen mit mehr als 170 Mitarbeitern, Standorten in Wien und Rio de Janeiro und 22 Millionen Seitenaufrufen im Monat. Es scheint, als hättet ihr eine Menge richtig gemacht?

Daniel Krahn: Ja, es hört sich  von außen oft so an, als wären wir fehlerfrei,  aber natürlich haben wir auch mal was in den Sand gesetzt. Wir wissen, dass wir sehr mutig waren und versuchten, die Chance zu ergreifen,  unser Unternehmen zu etablieren, auch international. Wir hatten aber weder einen Plan, den wir aus der Schublade ziehen konnten, noch Vorbilder. Gott sei Dank haben wir von zehn Entscheidungen, in welchen Ländern wir das Projekt Holidayguru etablieren wollen, mehr als die Hälfte richtig gefällt.

Was ist denn zum Beispiel mal nicht so rund gelaufen?

Daniel Krahn: Einmal sind wir nur knapp einem Shitstorm entgangen, nicht unerheblich bei 6,5 Mio. Facebook Fans. An unserem  lokalen Kinowerbeclip für Unna haben wir bemerkt, dass die Ruhrgebietsmentalität schon speziell ist. Wir haben ihn kostengünstig inhouse mit Ralf Richter aus Bang Boom Bang produziert. Super Clip, alle waren sich einig, dass er lustig ist. Bis wir ihn auf Facebook stellten. Dort hat der derbe Ruhrgebietswitz überregional überhaupt nicht funktioniert. Nach ein paar Stunden haben wir ihn offline gesetzt und waren am Boden zerstört. Aber auch das nehmen wir mit Humor.

Kannst du aus deiner Erfahrung heraus einen Geheimtipp für Gründer in der Stadt der Städte geben? Wie sollte man anfangen, wenn man seine Idee in die Tat umsetzen möchte?

Daniel Krahn: Ich würde mir immer Rat bei den Wirtschaftsförderungen holen, wir sind bis heute mit ihnen im regen Austausch. Letztens ging es zum Beispiel um das Thema Brandschutz in Bürogebäuden. Davon haben wir als E-Business Experten natürlich keine Ahnung und bekamen schnell und unkompliziert Hilfe. Empfehlenswert ist es auch, Kontakt zu anderen Start-ups aufnehmen, die schon erfolgreich am Markt sind. Sie können meist schnell einschätzen, ob im Konzept noch etwas fehlt und praktische Tipps geben. Als letzten Punkt würde ich noch raten, sich von Anfang an in die Hände guter Rechts- und Steuerberater zu begeben und sich bei diesen Themen nicht auf ein gefährliches Halbwissen zu verlassen, dass man sich vielleicht über Wikipedia angeeignet hat.

Für die junge Start-up-Szene in der Metropole Ruhr gibt es heute mehr Beratungsstellen und Förderer als vor fünf Jahren: Der ruhr:HUB ist zum Beispiel der zentrale Anlaufpunkt für die digitale Wirtschaft. Sein Start-up-Camp Starbuzz fördert digitale Geschäftsideen von jungen Unternehmen im Bereich Handel und Logistik. Universitäten richten Beratungsstellen und Zentren für Gründer ein, es finden immer mehr Stammtische und Veranstaltungen für Start-ups statt, seit letztem Jahr auch die internationale Konferenz RuhrSummit. Zudem wird die mögliche finanzielle Basis für innovative Gründer mit dem 30 Mio. Euro starken Gründerfonds Ruhr auf eine solide Basis gestellt. Wie beurteilst du die Aufbruchstimmung ?

Daniel Krahn: Da stimme ich zu, in den letzten Jahren hat sich einiges getan in der hiesigen Start-up Szene. Wir müssen uns nicht verstecken hinter Berlin & Co, der Meinung waren wir von Anfang an. Man merkt hier in der Gründerszene viel mehr die Anpackermentalität. Wir malochen eher, als in Berlin auf Partys einen Sekt zu trinken. Natürlich netzwerken wir auch, aber das passiert eher am Wochenende beim Fußball und in der Woche wird sich fokussiert. Ein großer Vorteil des Ruhrgebiets ist zudem die einzigartige Universitätsdichte, da kann ganz Deutschland nicht mithalten. Man hätte also alle Möglichkeiten, Berlin als Start-up-Standort den Kampf anzusagen. Übrigens beobachten wir bereits im Recruiting-Prozess, dass es viele Leute aus Berlin wieder hierhin zieht, weil sie merken, dass man auch im Ruhrgebiet cool arbeiten kann. Außerdem gibt es hier die bessere Currywurst.

Du bist als Bürger des Ruhrgebiets ausgezeichnet worden, siehst du dich auch als Botschafter für Gründer in der Metropole Ruhr?

Daniel Krahn: Ich sehe mich zunächst als Kind des Ruhrgebiets, mein Opa hat immer gesagt: „Woanders ist auch scheiße.“ Zuhause ist es halt am schönsten. Ich würde niemals auf die Idee kommen, woanders hinzuziehen.
Wir machen natürlich indirekt überall Werbung für die Region, zum Beispiel musste die große Firma Facebook, die ihren Europasitz in Dublin hat, nun auch mal die Strecke Dublin- Dortmund fliegen und nicht die altbekannten Flughäfen in Berlin oder Hamburg ansteuern. In dieser Hinsicht treten wir dann als Botschafter auf und zeigen ihnen natürlich Dortmund und Holzwickede mit Stolz und hören dann immer, dass es hier doch ganz anders ist, als sie sich es vorgestellt haben - viel grüner zum Beispiel.

Wenn du in der Metropole Ruhr günstig Urlaub machen wolltest, wo würdest du deine Zelte aufschlagen?

Daniel Krahn: In Unna. Auf dem Ostenberg. Von dort hat man einen wunderschönen Blick bis nach Hamm, besonders an Silvester ist das großartig. Der weite Blick schweift über die alten Zechentürme und den Flughafen. Ich finde das extrem schön, das entspricht genau dem Charme des Ruhrgebiets. Leider habe ich dazu wenig Zeit, mein Blick ist immer nach vorn gerichtet, ich weiß, wie es in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten mit unserem Business weitergeht. So richtig realisieren werde ich diese unglaubliche Zeit wahrscheinlich erst, wenn ich alt bin, im Schaukelstuhl sitze und mal in Ruhe auf alles zurückblicken kann.

Du hast dieses Jahr noch eine weitere Aufgabe bekommen: Du bist in den Senat der Wirtschaft berufen worden. Die Erfahrungen der Senatoren werden den Spitzenentscheidern aus Politik und Gesellschaft angeboten. Wie engagierst du dich dort als Experte für Digitalisierung?

Daniel Krahn: Wir beraten Vertreter aus Politik und Wissenschaft, das ist für mich eine spannende Erfahrung. Viele der älteren Mitglieder sehen eher die Risiken, die jüngere Generation eher die Chancen der Digitalisierung. Ich denke, dass die Politik nicht mehr um das Thema herum kommt. Ich leiste dort Aufklärungsarbeit, damit wir in Deutschland nicht hinterher hinken und werde trommeln und wirbeln. Mal schauen, ob das was bringt.