„Die Forschungsmöglichkeiten sind hier einmalig“

Metropole Ruhr zieht wissenschaftliche Fachkräfte an

Clara Saraceno ist ein „polyglotter High Potential“ ganz nach dem Geschmack vieler Arbeitgeber: In Argentinien geboren, in Frankreich studiert, in der Schweiz den Doktortitel erworben, im Silicon Valley gearbeitet. Heute lebt und forscht sie in Bochum – und hier will sie bleiben.

Frisch promoviert ist die 34-jährige Wissenschaftlerin 2016 zum Forschen in die Metropole Ruhr gezogen – mitsamt ihrer Familie. An der Ruhr-Universität Bochum arbeitet die Physikerin seither an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik in der Arbeitsgruppe „Photonics and Ultrafast Laser Science“ an innovativen Scheibenlasern.

Exzellenter Forschungsstandort Bochum

Die Metropole Ruhr zählt zu den dichtesten Forschungslandschaften in Europa. „Die Menschen hier sind Macher und sehr aufgeschlossen gegenüber Veränderungen. Das ist sehr gut für die Forschung“, sagt Saraceno. Neben 22 Hochschulen haben auch zahlreiche renommierte außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in der Metropole Ruhr ihren Sitz. „Das ermöglicht einmalige interdisziplinäre Kooperationen“, erklärt Saraceno begeistert.

Internationale Karriere

Nach ihrem Studium in Frankreich zieht es die Physikerin in die Industrie: Sie bekommt eine Traineestelle bei dem Laserhersteller Coherent im Silicon Valley. „Das war eine tolle Erfahrung. Ich habe dort unheimlich viel gelernt“, erinnert sie sich. Als ihr Traineeprogramm 2008 beendet ist, kommt sie zurück nach Europa, legt 2012 ihre Promotion an der ETH Zürich ab. Dort engagiert sich ihre Professorin sehr dafür, Frauen für Berufe in der Wissenschaft zu begeistern. Ganz besonders schwärmt sie ihr von den Forschungsbedingungen an der Ruhr-Universität Bochum vor. „Das weckte meine Neugier“, erzählt Saraceno.

Deshalb bewirbt sie sich in Bochum um den Sofja Kovalevskaja-Preis – einen der höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreise – und gewinnt. Saraceno bekommt so die Chance, mit Forschungsgeldern von knapp 1,65 Millionen Euro an neuen Herstellungsverfahren für Terahertzstrahlung zu arbeiten. Sie zieht mit ihrem einjährigen Sohn und ihrem Mann schließlich nach Bochum.

Gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie

„Es ist wirklich eine sehr spannende Region. Wir fühlen uns hier richtig wohl“, schwärmt Saraceno von ihrer neuen Heimat. „Wir haben uns in Bochum ein Haus gekauft, das hätten wir uns in der Schweiz nicht leisten können.“ Und findet, dass sie ihren Kindern hier ein besseres Leben ermöglichen kann. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist hier sehr gut organisiert.“ Ihr Sohn geht in die Kita der Universität. Für ihren anderen Sohn hat sie eine Tagesmutter in direkter Uni-Nähe gefunden. „Für Kinderbetreuung, Wohnungssuche und Behördengänge ist es wichtig, dass man am Anfang Ansprechpartner hat, die einem bei der Orientierung in der neuen Heimat helfen“, sagt Saraceno. So gelingt es High Potentials, schnell und reibungslos im Job durchzustarten.

 

welcome.ruhr gibt Starthilfe für internationale Bewerber

Genau da setzt das Beratungsangebot von „welcome.ruhr“ an. Es wurde vom Regionalverband Ruhr gemeinsam mit der Business-Metropole Ruhr ins Leben gerufen, um die Willkommenskultur zu stärken und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Mit dem Willkommensportal für qualifizierte Fachkräfte gibt die Metropole Ruhr Bewerbern aus anderen Ländern oder Regionen eine wegweisende Orientierungshilfe an die Hand. Fachkräfte, Unternehmer und Unternehmerinnen, Studierende, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen können sich hier über alle wichtigen Themen aus Wirtschaft, Bildung, Leben und Arbeiten informieren. Auf Wunsch stehen zehn WelcomeGuides aus der Wirtschaft, zumeist mit Migrationshintergrund, als persönliche Ansprechpartner für Fragen rund um Wohnen, Kinderbetreuung, Versicherungen oder die Unternehmensgründung zur Verfügung.

„Im Ruhrgebiet hat die Zuwanderung von Fachkräften eine lange Tradition“, erzählt Ilka Cirkel, Projektmanagerin des Portals welcome.ruhr. „Ohne diese Erwerbsmigration wäre das Ruhrgebiet heute nicht das, was es ist – weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich. Menschen aus mehr als 150 verschiedenen Nationen leben und arbeiten hier.“ Neue Ideen, wissenschaftliche Ansätze und qualifizierte Fachkräfte lösen Innovationen und wirtschaftliche Impulse aus: „Und das wiederum steigert die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region.“

Dual Career Netzwerk Ruhr fördert Doppelkarrieren

Neben welcome.ruhr gibt es das „Dual Career Netzwerk Ruhr“. Denn wenn es um die Rekrutierung exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geht, spielen auch die Lebenspartner eine große Rolle. Sogenannte Doppelkarrierepaare sind üblicherweise hochgebildet und sehr fokussiert in ihrer beruflichen Orientierung. Um als Region im internationalen Wettbewerb um Spitzenkräfte erfolgreich zu sein, fördert das Dual Career Netzwerk die Gewinnung und Bindung von Doppelkarrierepaaren. Es unterstützt Partnerinnen und Partner von neu berufenen Professorinnen und Professoren bei der Stellensuche in der Metropole Ruhr und leistet so auch einen Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Grundlage dafür bildet ein Netzwerk aus 20 Einrichtungen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung im Ruhrgebiet.

Die Wissenschaftlerin Saraceno hat ihren Schritt in die Metropole Ruhr nicht bereut. Und sie will auch langfristig bleiben, denn „die Forschungsmöglichkeiten sind hier einmalig“. Durch einen sogenannten Tenure Track, ein Professurenprogramm für Nachwuchswissenschaftler, bekommt sie die Chance, nach ihrem Forschungsprojekt eine Lebenszeitprofessur in Bochum zu erhalten.