Von Anfang an unternehmerisch unterwegs

Studierende an der Hochschule Ruhr West sind beim Thema E-Commerce weit vorn

Ein Konzept, das in immer mehr innovativen Unternehmen erfolgreich umgesetzt wird, ist inzwischen auch bei ausgesuchten Hochschulen angekommen: Eine moderne, offene, unkonventionell gestaltete Umgebung mit Rückzugsmöglichkeiten lädt Angestellte ein, sich im Büro fast wie zu Hause zu fühlen. Vielleicht liegt dieses Umdenken in den Hochschulen an der direkten Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen der Region, vielleicht aber auch am Engagement der Studierenden selbst. In der Hochschule Ruhr West (HRW) in Mülheim an der Ruhr mitten in der Stadt der Städte sieht es jedenfalls aus wie in einer Wohnzeitschrift: Sitzinseln in Orange, Grün und Magenta, breite Fensterfronten, an den richtigen Stellen eingesetzter Stahl und Sichtbeton.

Die HRW liefert den Studierenden also beste Bedingungen, um auf dem Plan stehende Projektarbeiten für lokale Handelsunternehmen wie Tengelmann, Metro, Aldi Süd, Eismann oder Footlocker professionell und gleichzeitig mit viel Freude in einem angenehmen Arbeitsklima anzugehen.

Auch inhaltlich punktet die Hochschule: Der Studiengang E-Commerce sei der einzige dieser Art im Westen Deutschlands, erklärt Prof. Dr. Oliver Koch, HRW-Vizepräsident für Forschung und Transfer und Kommissarischer Leiter für E-Commerce. In der Theorie geht es um Online-Kommunikation, Vertrieb und Vermarktung, Bezahlvorgänge, Marketing und Design. Das Besondere: „Unsere Studierenden haben von Anfang an Kontakt mit der Außenwelt, sie forschen mit oder für die Unternehmen,“ erklärt Koch.

Das absolute Zukunftsmodell

Montagfrüh um 8 Uhr geht es aber erst einmal los mit einer Vorlesung. Vorlesung? Man möchte es nicht so nennen, denn der Austausch ist groß zwischen den Studierenden und der Dozentin, die am Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln arbeitet. Dabei fallen Begriffe, die noch bis vor Kurzem den meisten Studierenden nahezu unbekannt waren: Smart Consumer (Online-Käufer), Cross Channel Services (Mischform aus On- und Offline-Handel) sowie Click and Collect (online reservieren, selbst abholen). Es geht um die wieder steigende Bedeutung von Kundenservice und Beratung. Besonders verblüffend für die Teilnehmer: Viele bisher reine Online-Unternehmungen gehen neuerdings zusätzlich „offline“ und lassen sich mit Stores in den Innenstädten nieder.

Viele Dozierende kommen aus der freien Wirtschaft. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass ihre „Vorlesungen“ eher an Gastvorträge erinnern. Gerade das mag Svenja Neumann an ihrem Studium besonders: „So bekommen wir viel aus der Praxis mit“, sagt die 22-Jährige aus Bottrop. „Wir können Fragen stellen und lernen aus der Erfahrung der Dozierenden.“ Ihre Kommilitonen nicken und nennen weitere Gründe, sich für den Studiengang E-Commerce zu entscheiden. Adrian Neithert aus Oberhausen und David Grywacz aus Mülheim, beide 18 Jahre alt, können hier „Marketing und Design mit dem Online-Aspekt“ verbinden und sehen darin „ein absolutes Zukunftsmodell“. Schon in der Schule hat sich Lena Trappmann für Informatik interessiert. „Das kann ich jetzt weiter ausbauen“, so die 19-jährige Mülheimerin. Jacqueline Czech studierte zuvor Biologie in Köln. „Da gab es keinen persönlichen Kontakt zu den Profs, man war nur eine von vielen.“ An der HRW dagegen ließen sich die Lehrkräfte direkt ansprechen. Sogar, wenn es darum geht, mal einen Abgabetermin zu verschieben, fügt Andrea Babic (19) aus Bonn hinzu.

Stiftungsprofessuren für Mülheim und Bottrop

Tatsächlich erhalten Absolventen der HRW durch die Nähe zur Praxis die Chance, in Betriebsabläufe sofort einzusteigen. Aber die Rechnung geht auch umgekehrt auf: Von der Zusammenarbeit mit der Hochschule profitiert gerade die in der Metropole Ruhr stark vertretene Logistik-Branche. Durch Stiftungsprofessuren, initiiert zum Beispiel von der Tengelmann-Gruppe, können zusätzliche Mittel für Lehre und Forschung bereitgestellt werden. Das gilt nicht nur für Mülheim. Auch der zweite Standort der Hochschule in Bottrop erfährt die umfassende Unterstützung von Unternehmen aus der Stadt der Städte.

Die Möglichkeit, etwas ganz Großes aufzubauen

An der HRW werde es ganz deutlich, sagt Prof. Dr. Koch: „Es passiert etwas in der Region.“ Während einerseits Fachkräfte generiert würden, gebe es auf der anderen Seite viele spannende Ideen für Start-ups. So sei der Beratungsbedarf in Sachen Online-Handel hoch. Absolventen könnten gerade jetzt etwas wirklich Großes und Erfolgreiches aufbauen: „Auch davon haben die kooperierenden Firmen der Metropole Ruhr etwas, die immer auf der Suche nach Innovationen sind“, so Koch. Labore, Werkstätten und Materiallager, um Ideen zu entwickeln, sind jedenfalls reichlich vorhanden in der HRW.

 

Über die Hochschule Ruhr West

Insgesamt sind an der HRW 5.900 Studierende in 20 Bachelor- und sechs Masterstudiengänge eingeschrieben, davon 4.300 in Mülheim an der Ruhr. Mit zurzeit 360 Mitarbeitenden, darunter 81 Professoren, ist die Hochschule selbst ein bedeutender Arbeitgeber. Neben dem Fachbereich E-Commerce werden Informatik,Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurswesen für Energiesysteme angeboten. Weitere Schwerpunkte in Mülheim und Bottrop sind Fahrzeuginformationstechnik, kognitive Systemtechnik, angewandte Mess- und Automatisierungstechnik sowie Internationale Wirtschaft und Netzwerkökonomik. Alles Studiengänge, die thematisch deutlich in der Metropole Ruhr verwurzelt sind.  Zudem gibt es 200 Ausbildungsplätze im Rahmen des Dualen Studiums, Tendenz steigend.